Ich mochte die ersten beiden Caraval-Bücher sehr gerne. Die Geschichte ist interessant (ich liebe alles, was mit Rätseln zu tun hat), und auch die Charaktere haben mir gut gefallen. Besonders Scarlett und ihre Dynamik mit Tella fand ich spannend – ich konnte mich mit ihrer Entwicklung identifizieren und fand sie realistisch und gut ausgearbeitet. Trotzdem fehlt den Büchern meiner Meinung nach noch einiges, um wirklich richtig gut zu sein. Für eine Welt, die voller raffinierter Rätsel sein soll, liefert Caraval in dieser Hinsicht einfach nicht genug. Schon im ersten Band fand ich die Rätsel ziemlich enttäuschend – sie wirkten eher zufällig als durchdacht. Im zweiten Buch wurden sie dann noch weniger, und die wenigen vorhandenen waren nicht besonders clever. Ich hätte mir kniffligere, gut konstruierte Rätsel gewünscht, deren Auflösungen nachvollziehbar sind und bei denen man als Leser mitraten kann. Legendary hat mir insgesamt aber gut gefallen. Das Pacing war ausgewogen, die Spannung blieb konstant erhalten, und das Buch liess sich leicht und unterhaltsam lesen. Der Plot konnte mich aber nicht wirklich überzeugen. Achtung, Spoiler: Tella verbringt das ganze Buch damit, das Caraval-Spiel zu gewinnen. Schon relativ früh weiss sie, dass sie am Ende zwischen zwei Möglichkeiten wählen muss: Entweder gibt sie Jacks die Karten und befreit damit die Schicksalsmächte und ihre Mutter, oder sie entscheidet sich für Legend, der die Schicksalsmächte und ihre Mutter zerstören wird. Für jemanden, der so mutig und gewitzt ist wie Tella, beschäftigt sie sich meiner Meinung nach aber viel zu wenig mit einer dritten Option – etwa einem Weg, um alle zu retten. Schliesslich ist die Entscheidung, ob man böse Mächte auf die Welt loslässt, um die eigene Mutter zu retten (die sich ja bewusst geopfert hat, um genau diese Mächte einzuschliessen), nicht gerade trivial. Am Ende geht plötzlich alles ganz schnell: Anstatt einer cleveren Lösung oder einer spannenden Wendung wird Tella einfach von Legend aus der Karte gerettet – und das war’s. Die ganze Story baut auf dieser dramatischen Entscheidung auf, doch am Ende wird sie irgendwie zu einfach aufgelöst, ohne dass Tella wirklich etwas tun muss. Ja sie hat sich geopfert, aber da alles so schnell wieder aufgelöst wird, spürt man dieses Opfer gar nicht. Ich hatte mir da ehrlich gesagt mehr erwartet – eine Herausforderung, eine überraschende Lösung oder zumindest eine Entscheidung, die sich wirklich folgenschwer anfühlt. Aber so wirkt es, als wären die Schicksalsmächte, die freigelassen wurden, gar nicht so schlimm… Trotzdem bin ich gespannt auf den dritten Teil und hoffe, dass er die Geschichte zufriedenstellend abrundet – und vielleicht ein bisschen mehr Tiefe und echte Herausforderungen mitbringt.