Ich bin nicht enttäuscht😊 Der Schreibstil ist unverändert knapp, kein Wort zu viel und dennoch bildhaft und flüssig. Gegenüber dem Debütroman wendet die Autorin den “Drehbuch”-Schreibstil etwas weniger an. Oder ich empfinde es einfach so, weil dieser Schreibstil nicht mehr neu ist. Ihre Erzählweise ist unverkennbar Caroline Wahl und das Cover könnte es auch noch werden.
Die Spannung war von Anfang an vorhanden, insbesondere darum, weil ich die Vorgeschichte kannte. Ich denke auch, dass es ein Vorteil war, dass ich das familiäre Umfeld von Ida kannte. So habe ich mich sehr schnell zurecht gefunden (z.B. spricht Ida von Anfang an oft von Tilda, aber sie erwähnt nicht zugleich, dass Tilda ihre ältere Schwester ist).
So sehr mich die Geschichte berührt und ich Ida bewundere, wie sie bislang mit ihrer schwierigen Geschichte umgeht, so oft kann ich aber auch schmunzeln. Zum Beispiel: Ich bin im Flugmodus: Ida weiss sich zu helfen, wenn sie ihre Ruhe haben will.
(…) und schaue in den Sternenhimmel, in dem heute keine Sterne zu sehen sind. Solche Sätze mag ich, sie lassen mich innehalten und überlegen, ob diese Aussage eine tiefere Bedeutung hat oder nicht. Oder ob Ida einfach enttäuscht ist, dass in diesem Augenblick keine Sterne zu sehen sind.
(…) ich endlich im Hochbett liege, lasse ich es regnen. Noch so ein wundervoller Satz, der meine Frage nach dem Sinn im Moment unbeantwortet lässt.
Aber sowieso scheint mein ganzes Leben eine Art Übergangslösung zu sein. Dieser Satz hat mich betroffen gemacht. Was meint Ida damit? Deutet das auf eine Depression hin? Werde ich darauf eine Antwort später im Buch finden? Das gleiche empfinde ich beim folgenden Satz: Ich dachte, wenn ich weit weg bin, dann sind die Gedanken leiser.
I just want to live while I’m alive. Ist das der Musik wegen eine Lieblingsmusik von Ida oder eher eine Überlebensstrategie?