Ich bin eigentlich auch schon seit Sonntag mit dem zweiten Teil fertig, bin aber noch nicht dazu gekommen zu schreiben.
Ich finde auch den zweiten Teil spannend, und flüssig/süffig zum Lesen. Aber eigentlich lernt man nicht wahnsinnig viel Neues dazu. Die Situation von Sara in der Einbehaltung bleibt, wie sie war, man lernt ein paar neue Aspekte, neue Details kennen und man lernt v.a. Sara selber besser kennen.
Dass ihr Bruder bei einem Fest (an dem sie auf ihn hätte aufpassen sollen) stirbt, dass sie von ihrem Mann dazu überredet wird Kinder zu haben etc kann man in einem solchen System als potentielle Risikofaktoren verstehen. Diese Erlebnisse und diese Lebensgeschichte könnten das Risiko erhöhen, dass jemand irgendwann ausrastet, und ein Verbrechen begeht.
Was ich fast nicht verstehen kann, ist, dass Sara immer noch die Hoffnung hat, irgendwann wieder rauszukommen. Natürlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Allerdings ist die ganze Situation, die ganze Umgebung völlig unvorhersagbar. In der Theorie sollte das zu einer erlernten Hilflosigkeit (Seligman) führen, was sich bei vielen der Einbehaltenen als Depressionen zeigen sollte. Aber die Protagonistinnen scheinen die Hoffnung nicht zu verlieren.
Ich bin noch immer gespannt, ob sich meine ursprüngliche Theorie der selbsterfüllenden Prophezeiung bewahrheitet. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Sara (oder eine andere Einbehaltene) irgendwann noch ausrastet.
Noch etwas, das mich irritiert. Wieso müssen die Einbehaltenen die Träume aufschreiben? Mit dem Implantat werden die Träume doch schon gemessen. Es schien aber nicht klar, ob man die Messung auch in wirkliche Trauminhalte übersetzen kann. Braucht die Firma die aufgeschriebenen Träume um die Messresultate inhaltlich zu validieren, bzw um das Implantat zu kalibrieren?
Hierzu auch die Stelle S. 215: Indem Träume zu Waren wurden, ist ein neuer Markt entstanden…
Noch eine Stelle, die ich mir markiert habe:
S. 175: Was hat sie in den letzten Monaten in der Einbehaltung gelernt?
Dass die ganze Welt auf die Grösse eines Zimmers schrumpfen kann.
Dass die Zeit alles beherrscht.
Dass Vorschriften nicht unbedingt sinnvoll sind.
Dass sie sich dem System, ganz gleich, wie ungerecht es ist, unterwerfen muss, um zu beweisen, dass sie es verdient hat, nicht mehr von ihm kontrolliert zu werden.