Das Buch hat mich von der ersten Zeile an gepackt. Alles Geschilderte empfinde ich als total realistisch, genau so könnte es vermutlich jede von uns erlebt haben. Ich kann Bea alles nachfühlen. Wie stinkesauer sie ist. Wie sie, als Niklas nicht zurückkommt, unsicher wird. Sich kurz fragt, ob sie vielleicht zu grob war und sich entschuldigen sollte, aber in der nächsten Sekunde erneut wütend wird, wieso sollte sie sich entschuldigen, wo er doch eindeutig Schuld ist? Wie ungläubig sie auch später immer wieder realisiert, in was für einen Schlamassel sie da geraten ist, selbst bei der Paartherapeutin weiss sie immer noch nicht, was hier gerade passiert, wo sie und Niklas es doch offenbar immer so gut zusammen hatten. Sie kann einem wirklich Leid tun. Immer wieder fordert sie, dass Niklas mit ihr spricht und ihr erklärt, was genau das Problem sei. Es geht ihm nicht gut, davon ist sie überzeugt, und sie will wissen, wie sie ihm helfen kann.
Im Wissen, dass im nächsten Teil nun Niklas’ Sicht folgen wird, beginnt man zu ahnen, dass sein Trennungswunsch nicht so sehr auf diesem letzten Streit beruht, sondern dass sich bei ihm etwas angesammelt haben muss über all die Jahre, auch wenn Bea diesbezüglich bisher fast überhaupt keine Vermutungen anstellt. Was könnte das sein? Bisher haben wir ja nur kleine Mosaiksteinchen aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit erfahren: Dass der Tod ihres Bruders Jakob in gewisser Weise zu ihrem Zusammenkommen geführt hat; dass Bea sehr eng mit Niklas’ Eltern ist, was mir fast schon zu schön anmutete, um wahr zu sein; und dass es bei Niklas an seiner früheren Arbeitsstelle ‘einen Vorfall’ gab, der irgendwie einschneidend war. Von ihren eigenen Eltern ist fast ebenso wenig die Rede, wie von der Zeit, bevor sie Eltern wurden, oder was es bedeutete, Zwillinge zu bekommen und grosszuziehen. (Wie Alexia und Alma zu der jetzigen Krise stehen, darüber haben wissen wir bis jetzt eigentlich noch gar nichts.) Ob wir von Niklas nun im nächsten Abschnitt hierzu oder zu noch ganz anderen Themen mehr erfahren werden? Ich bin jedenfalls gespannt wie ein Fidelbogen.