Das Buch hat mich einfach direkt angesprochen. Es erinnerte mich vom Klappentext her entfernt an «Selection» und ich liebe «Selection» bis heute noch. Das Ganze ist mehr ein «What-If» Szenario, statt eine ausgebaute Fantasywelt und ich habe mir gedacht, dass es eher auf der leichten Seite bleibt, aber ich weiss nicht, ob ich damit auch wirklich ganz zufrieden bin. Ich hatte keine falschen Erwartungen, aber das Buch geht dann doch so unglaublich gut in die Details, dass ich den Weltenaufbau um dieses «Was-Wäre-Wenn» letztendlich vermisst habe, denn ich denke, man hätte dort doch auch noch mehr herausholen können und die Autorin hätte sicherlich auch das Zeug dafür gehabt. Klingt kompliziert, aber ich versuche es besser zu erklären. Das Buch gibt sich durch die gesamte Geschichte hindurch Mühe, um alles unglaublich gut auszubauen. Ich habe logischerweise keine Ahnung, wie der Alltag einer Königstochter wirklich aussieht, aber es wird alles, von den Medien, über die persönlichen Beziehungen der Königsfamilie, den Pflichten und der Schattenseiten eines Luxuslebens in der Öffentlichkeit bis hin zu den Machenschaften mancher Personen im Hintergrund einfach so detailliert ausgebaut, dass es für mich realistisch wirkt. Man merkt, dass sich die Autorin in dieser Hinsicht wirklich Mühe gibt und mehr als nur das nötige für eine lockere Geschichte ausgebaut hat. Es wundert mich daher, dass in Bezug auf dieses Szenario so gar nicht auf das Drumherum und den Weltenaufbau geachtet wird. Was ziemlich früh und eindeutig klargemacht wird, ist die Tatsache, dass durch die Entstehung des amerikanischen Königshauses die europäischen Monarchien weiterhin ohne Probleme bestehen bleiben und wohl auch ihre absolute Macht behalten. Die Monarchie wurde durch diese Umstände weniger hinterfragt und sie konnte besser weiterbestehen, wodurch heutige ausgestorbene Monarchien, wie zum Beispiel die Griechische oder Französische in der Geschichte bestehen bleiben. Das wirft, aber mit nur etwas Überlegen ziemlich grosse Fragen auf. Ich weiss, dass das absolut nicht der Sinn der Sache bei dem Buch ist, aber wenn es noch immer Dinge wie die Zarenfamilie oder die preussische Monarchie gibt, die absolute Macht besitzen, dann hätte die Geschichte eindeutig ganz anders ausgesehen. Aber in dieser Hinsicht bleibt einfach alles sehr vage und genau das hätte ich liebend gerne mehr ausgebaut gesehen. Ich sehe unglaublich gute Beschreibungen in der Geschichte und gleichzeitig sehe ich, dass man aber doch von der Hürde zurückgeschreckt ist, das Buch in eine völlig andere Richtung auszubauen, als nur dieser leichten Romanze. Es wäre keine leichte Aufgabe gewesen, aber mir scheint, dass die Autorin durchaus das Zeug für eine seriösere Geschichte gehabt hätte. Zum gleichen Zeitpunkt wird auch völlig vergessen, dass wohl ungeachtet, wie sich die Monarchien entwickelt hätten, die Regel, dass nur innerhalb der königlichen Blutlinien oder höheren Kreisen geheiratet werden darf, überhaupt keinen Sinn ergibt (angenommen, dass das Meiste so ähnlich wie möglich an der Realität bleibt, dann hätte das norwegische Königshaus auch so den Anstoss zur «Sonja-Revolution» gesetzt und ich denke auch das Amerikanische Königshaus hätte sich letztendlich dem angepasst). Es soll der springende Punkt des Buches sein, der den Konflikt überhaupt zum starten bringen soll, aber es wird gleichzeitig eine eindeutig moderne Welt gezeigt, die Wissenschaft schätzt und, die dadurch erstens einerseits klar weiss, wie DNA funktioniert und ebenfalls weiss, dass Inzucht in keiner Weise gut ist und zweitens auch die moderne Sicht vertritt, dass die Königsfamilie in jeder Hinsicht für die Öffentlichkeit nahbar sein soll und dadurch eigentlich klar willkommen sein soll, dass eine Prinzessin sich eben auch in einen «gewöhnlichen Bürger» verliebt. Das hätte genauso viel Konflikt gebracht, denn es kann trotz allem hart sein, einen Normalbürger in ein Königshaus zu integrieren und Dinge wie Machtspielchen von eifersüchtigen Drittpersonen hätten auch so Platz in der Geschichte gefunden. Das war nun ziemlich viel Erklärung um einen Punkt, den ich persönlich einfach viel klarer aufgebaut gesehen hätte. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn die Geschichte sich eben gegen einen lockeren Ton entschieden hätte und stattdessen eine dystopische Welt auch wirklich aufgebaut worden wäre. Erwähnungen gibt es einige und ich sah dahinter einfach so viel Potential, besonders weil die Autorin sich in manchen Dingen schon die Mühe gab, mehr als nur das Nötige auszubauen. Ich wusste aber, wie es vom Ton her sein wird und rein aus dieser Sicht ist es eine gelungene Geschichte. Es gab meiner Meinung nach doch so einige zu viele Dreiecksdramen und Verknüpfungen und gerade der Titel «Beatrice und Theodore» lässt eigentlich erwarten, dass zumindest diese Namen auch eine funktionsfähige Beziehung bilden und entweder entgegen aller Vorschriften ein Traumpaar bilden, obwohl Theodore nicht «passend» wäre oder die beiden eben trotz der erzwungenen Ehe eine Bindung und letztendlich eine schöne Beziehung aufgebaut hätten. Es wäre mir schlicht lieber gewesen. Stattdessen ist einfach jeder in jeden irgendwie falsch verliebt, sodass es sogar chaotischer als der Mittsommernachtstraum von Shakespeare wirkt. Man kommt dadurch bei keinem wirklich weiter und es fühlt sich an wie in einem Hamsterrad. Drama darf da sein, ja, aber für mich war es etwas zu viel des Guten (besonders wenn man bedenkt, dass laut Titel von Band zwei noch eine weitere Partie in das ganze Chaos zwischen Beatrice und Samantha hineingeworfen wird). Allgemein lässt sich das Buch aber wirklich zügig und leicht durchlesen und obwohl ich an einigen Stellen Dinge zu bemängeln habe, so hat mir der erste Band dennoch sehr gut gefallen. Vier Sterne deshalb für die Geschichte.