• Biografien Schweizweit

    Zwischen Fakten und Gefühlen – Eine ungewöhnliche Erzählweise mit Tiefgang

Zora del Buono begibt sich in ihrem Buch “Seinetwegen” auf eine persönliche Spurensuche. Sie verlor ihren Vater mit nur acht Monaten bei einem Autounfall – ein Thema, das in ihrer Familie jahrzehntelang totgeschwiegen wurde. Nun, 60 Jahre später, stellt sie sich den offenen Fragen: Wer war ihr Vater? Was ist mit dem Unfallverursacher geschehen? Wie hat der Unfall das Leben aller Beteiligten beeinflusst? Gleichzeitig setzt sie sich kritisch mit dem Auto als “Tötungsmaschine” auseinander und thematisiert die gesellschaftliche Normalisierung von Verkehrstoten.

Das Buch folgt keiner klassischen Kapitelstruktur, sondern ist in zahlreiche kurze Absätze unterteilt. Die Autorin verbindet ihre persönlichen Recherchen mit gesellschaftlichen Reflexionen über den Strassenverkehr, Autokennzeichen und Unfallstatistiken. Diese wechselnde Erzählweise, in der Gespräche mit Freunden, Erinnerungen und Fakten nahtlos ineinander übergehen, empfand ich als stellenweise verwirrend. Der ständige Wechsel der Themen behinderte meinen Lesefluss und erschwerte es, den roten Faden beizubehalten.

Dennoch konnte mich die Sprache der Autorin überzeugen, auch die eingestreuten schweizerdeutschen Ausdrücke verliehen dem Text eine authentische Note. Es wird spürbar, dass del Buono durch das Schreiben dieses Buches eine tiefgehende Verarbeitung ihrer Vergangenheit erfahren hat. Diese emotionale Ebene macht das Werk trotz der fragmentarischen Struktur lesenswert.

Insgesamt bietet “Seinetwegen” eine vielschichtige Auseinandersetzung mit persönlichem Verlust, gesellschaftlicher Verantwortung und der Bedeutung von Erinnerungsarbeit. Auch wenn der Aufbau für mich etwas anstrengend war, hinterliess das Buch einen bleibenden Eindruck.