Es ist schon eine Weile her, dass ich mich bei einem Thriller so richtig gegruselt und auch unwohl in meiner Umgebung gefĂŒhlt habe. Mit seinem neuesten Thriller âDas Haus der MĂ€dchenâ hat dies Andreas Winkelmann aber tatsĂ€chlich geschafft.
Dank mehrerer Perspektivwechsel zwischen den einzelnen Kapiteln gelingt es dem Autor, den Leser lange im Ungewissen und unter Spannung zu lassen. Neben dem Ermittler, der erfreulicherweise schnell ein GespĂŒr dafĂŒr hat, dass mehr hinter dem Mord an einem Mann in seinem Auto steckt (nichts ist Ă€rgerlicher als ein Ermittler, der ahnungslos durch die Gegend stapft), erlebt der Leser, wie die junge Leni als Praktikantin fĂŒr ein paar Wochen nach Hamburg zieht und sich alleine in der GroĂstadt zurecht finden muss. AuĂerdem ist da noch ein Obdachloser, der sich in der NĂ€he des ersten Tatorts herumtreibt und natĂŒrlich gibt es auch Szenen mit den entfĂŒhrten MĂ€dchen und dem TĂ€ter. Gerade diese Szenen haben es verstĂ€ndlicherweise in sich.
Geschickt werden falsche Spuren gelegt, mehrmals musste ich meine Theorien verwerfen und neue aufbauen, nicht nur in Bezug auf den TĂ€ter. Zwar lag ich am Ende nicht vollkommen falsch, aber ich musste auch erst einmal hĂ€ufiger neue Ăberlegungen anstellen.
Zum Ende hin konnte die atmosphĂ€rische Stimmung, die bei mir zum Unwohlsein fĂŒhrte, leider nicht mehr komplett gehalten werden, da zwischenzeitlich schon zu viele Geheimnisse gelĂŒftet wurden. Dennoch hebt sich dieser Thriller von der Masse ab.
Sympathische Hauptfiguren, die nicht perfekt, aber auch nicht mit Problemen und Komplexen ĂŒberladen sind, sorgen zusĂ€tzlich dafĂŒr, dass der Thriller eine paar schöne Lesestunden liefert.
Der Autor hat es geschafft, mit meinen UrĂ€ngsten zu spielen und hat damit dafĂŒr gesorgt, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte.