Mit leichter Feder lässt Coelho den Leser in die Geschichte eintauchen, man kann fast die Hitze der Wüste auf der eigenen Haut spüren und die Stille ist fast greifbar. Schon das Cover zieht einen in den Bann durch die intensiven, im Mittelpunkt stehenden Augen, die denjenigen betrachten, der das Buch in die Hände nimmt.
Der Protagonist Santiago (ein einfacher Schäfer aus Andalusien) begibt sich nach einem wiederkehrenden Traum auf die Reise, an deren Ende er am Fuße der Pyramiden seinen Schatz finden will. Fast märchenhaft ist nun die Erzählung des Weges, den Santiago geht, um seinen Schatz zu finden. Eingebettet in diese Geschichte gibt Coelho dem Leser eine Reihe von Lebensweisheiten an die Hand, die nachdenklich machen können und aufzeigen, dass jeder sein Leben in die eigenen Hände nehmen sollte. Grundlage aller Gedanken und Handlungen ist bei Coelho die „Weltenseele“, eine Kraft, welche die Welt zusammenhält. Mit dieser Kraft kann man in Verbindung treten, wenn man bereit ist, auf sein Herz zu hören. So wagt sich Coelho auf einfache Weise an komplexe philosophische Themen, fragt nach dem Sinn des Lebens eines jeden einzelnen und fordert jeden dazu auf, sich diese Fragen selbst zu stellen. Er schafft es, den Leser mit dieser vordergründigen Abenteuerreise dazu einzuladen, über sich selbst, die eigenen Werte und Ziele und das eigene Leben nachzudenken.
Ich habe das Buch zu einer Zeit gelesen, wo durch Krieg und Pandemie die Welt auch bei Sonnenschein immer etwas dunkler schien. So ist es erschreckend aktuell, wenn man liest: „Wenn die Menschen Krieg führen, dann bekommt auch die Weltenseele die Kampfrufe zu spüren. Niemand bleibt verschont von all dem, was unter der Sonne geschieht“. Und trotzdem: Mir hat das Buch irgendwie Hoffnung vermittelt, auch wenn es vielleicht nur einige bereits bekannte Lebensweisheiten aufgreift und aneinanderreiht. Mir hat das Buch am Ende das Gefühl gegeben, dass es lohnt, an das Gute zu glauben und sich an diesem Gedanken auch in schweren Zeiten festzuhalten. Nur stellt sich in der Zeit der Emanzipation die Frage: warum muss eine Wüstenfrau in der Oase bleiben und auf den Mann warten, der seine Träume verwirklicht? Darf nicht jeder seine eigenen Ziele, Wünsche und Träume haben und diese auch verwirklichen?