Alexandra Meine Gedanken zu „Meine Berge bist du“ bis Seite 90
Beim Lesen hat mich Onestos Verhalten tief berührt. Ja, ich kann es nachvollziehen, dass er sich trotz seiner starken Gefühle zu Celest zurückzieht und seinem Zwillingsbruder den Vorrang gibt. Es ist nicht nur ein Akt der Selbstlosigkeit, sondern vielleicht auch ein Ausdruck innerer Loyalität – ein stilles Opfer, das er bringt, um Harmonie zu bewahren. Manchmal ist es schwer, zwischen dem eigenen Glück und dem Wohlergehen eines geliebten Menschen zu wählen. In dieser Entscheidung spüre ich sowohl die Zurückhaltung als auch die tiefe Verbundenheit zwischen den Brüdern.
Guido Contin alias Congac wirkt auf mich wie eine Figur, die das Schicksal in Bewegung setzt – vielleicht ein Katalysator im Hintergrund. Seine Präsenz ist nicht so laut, aber sie deutet an, dass er schon Teil eines grösseren Netzes von Beziehungen und Ereignissen ist. Ich vermute, er wird in der Geschichte als Verbündeter eine entscheidende Rolle spielen, vielleicht auf eine Weise, die erst später klar wird.
Onesto wollte sich unbedingt mitteilen – für mich ist das fast wie ein innerer Drang, seine Existenz spürbar zu machen. Da er keine Liebesbriefe an Celest schreiben kann, weil ihm vielleicht der Mut fehlen, richtet er seine Sehnsucht an die Berge, die er ebenfalls liebt. Die Berge sind für ihn etwas Dauerhaftes, Unverrückbares und zugleich ein stiller Gefährte. Durch das Schreiben an sie kann er Emotionen ausdrücken, die er einem Menschen gegenüber nicht zu formulieren vermag. Vielleicht macht ihn das Schreiben freier als das Sprechen in seinem ursprünglichen Zuhause, wo er keine Möglichkeit hat, sich zu öffnen.
Was die Geschichte angeht: Auch wenn sie faktisch betrachtet eher banal erscheint, zieht sie mich genauso in den Bann. Vielleicht liegt das daran, dass sie von Menschen erzählt, die in ihren leisen Gesten und unausgesprochenen Gedanken eine universelle Wahrheit tragen: dass das Leben nicht immer von grossen Ereignissen geprägt ist, sondern von den kleinen, oft unsichtbaren Entscheidungen, die unser Herz steuern. Gerade dieses Alltägliche macht die Handlung so nahbar und irgendwie zeitlos.