DrQuinzel Vielen Dank für die Fragen und auch all die Kommentare – sie geben dem Lesen wirklich einen grossen Mehrwert.
Mais erste Liebe und ihr Kontaktabbruch
Dass Mai keinen Kontakt mehr gesucht hat, könnte an ihrem schlechten Gewissen liegen – oder daran, dass sie sehr rational an die Situation herangegangen ist und nicht an ein romantisches Happy End mit Ping geglaubt hat.
Einfluss der Kulturrevolution auf Mais Entscheidungen
Ich selbst wusste vorher nicht viel darüber und fand diesen Aspekt des Buches sehr spannend. Für mich war ihre Entscheidung vor allem von Überlebenswillen und Realismus geprägt. Trotzdem hat sie mich überrascht, da die Verbindung zu Ping als sehr stark beschrieben wurde. Mai wirkt insgesamt eher wie ein Vernunftsmensch.
Mystisches Element: Der Samen und die Zeitausdehnung
Ich fand diesen Teil zwar interessant, hätte mir aber eine realistischere Erklärung gewünscht. Für mich leidet dadurch ein wenig die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Gleichzeitig hat die Szene mit dem Samen auch etwas leicht Humorvolles.
Mais Motivation und genetische Eingriffe
Ich habe es so verstanden, dass sie sich mit Wen nie wirklich verbunden gefühlt hat – weder in Hongkong noch später in Amerika. Er wird teilweise eher mit schwächeren Charaktereigenschaften dargestellt, während Mai sehr von sich selbst überzeugt ist. Vielleicht wollte sie deshalb ihre eigenen genetischen Anteile stärker gewichten – möglicherweise auch mit dem Gedanken, eine Art „zweite Mai“ zu erschaffen, mit der sie gemeinsam forschen kann. Unklar bleibt für mich jedoch, was sie konkret gemacht hat und wie genau – das wird im Buch nicht wirklich erläutert. Oder habe ich da etwas überlesen?
Darstellung der Mutter und fehlende Kommunikation
Lily beschreibt ihre Mutter in Teil eins als „kalt“, während diese sich in Teil drei selbst als liebevoll darstellt bzw. ihre grosse Liebe für Lily beschreibt. Hier hätte ich mir mehr Auflösung oder zusätzliche Hintergrundinformationen gewünscht. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wer überhaupt definiert, was Liebe und Zuneigung bedeuten. Lilys Wahrnehmung als Kind ist sicher nicht falsch, aber die harte Kindheit der Mutter erklärt ihr Verhalten zumindest teilweise.
Generell habe ich mich auch gefragt, warum die Figuren so wenig miteinander sprechen. Der Kontaktabbruch wirkt sehr radikal. Dabei handeln sowohl Mai als auch Lily aus ihrer jeweiligen Überzeugung heraus und sind beide der Meinung, das Richtige zu tun.
Das Ende: Realität oder Wunschvorstellung?
Ich würde das Ende weder als wirklich glücklich noch als völlig tragisch bezeichnen. Ein „glückliches Ende“ wäre für mich ein Zusammenkommen der Familie gewesen – also Lily, Nick, Matthew und vielleicht auch Mai. Beim Lesen hatte ich zunächst den Eindruck, dass Lily tatsächlich kommt, und habe das nicht weiter hinterfragt. Betrachtet man jedoch Lilys bisherigen Charakter – ihre Sturheit und Distanz –, erscheint es auch plausibel, dass es sich eher um eine Wunschvorstellung handelt.