Ich habe den zweiten Teil genauso gerne gelesen wie den ersten auch, wenn die Fälle mir diese Woche näher gegangen sind als letzte Woche. Beginnend mit der ersten Geschichte, in der sich Männer mit einer solchen Selbstverständlichkeit bereit sind, sexuelle Gewalt an einer Frau auszuüben, ohne Reue. Man(n) habe ja nur das getan, was der andere vor einem getan habe. Das war für mich hart zu lesen und hat mich unglaublich wütend gemacht. Dazu kommt am Schluss die Täter-Opfer-Umkehr des Richters. Ich bin überzeugt, dass es, ob nun zu Beginn der 2000er Jahre oder 2026, genau so ablaufen könnte.
Vielleicht war ich dann in der zweiten Geschichte noch sehr auf meinem Feminismus fixiert, aber ich habe mir gleich zu Beginn der Geschichte gefragt, ob der Ehemann einfach nicht sehen wollte, wie belastet seine Frau wirklich war. Mir haben die verschiedenen Stilmittel in diesem Kapitel gefallen (einmal Aussage, einmal Anklageschrift). Das hat in den doch so ähnlichen Kapiteln Abwechslung hineingebracht.
Da ich selbst in der Sozialen Arbeit tätig bin, hat mich das Kapitel (Die Karriere eines Pädophilen) extrem schockiert. Ebenfalls sehr wütend hat mich das letzte Kapitel des zweiten Teils gemacht. Ich nehme in meinem Alltag weiterhin wahr, dass geflüchtete Menschen im Kontakt mit der Polizei benachteiligt behandelt werden. Häufig wirkt es, als würden sie nicht in erster Linie als Menschen gesehen, sondern als “Fälle”, die abgearbeitet werden müssen, was den Eindruck einer Zweiklassengesellschaft verstärkt.
@JujuMa hat geschrieben, dass Christine Brand in diesem Buch nicht erzählt, sondern berichtet. Da kann ich zustimmen. In Anbetracht dessen, dass sie als Gerichtsjournalistin gearbeitet hat und es sich um wahre Kriminalfälle handelt, finde ich es für dieses Buch stimmig.
Ich bin schon sehr gespannt auf den letzten Teil des Buches.