Das Ende hat mich ein bisschen gerädert zurückgelassen. Ja vielleicht auch ein bisschen unbefriedigt. Irgendwie weiss ich gar nicht recht, was ich schreiben soll.
Auf der einen Seite wurde mit einem fast kompletten Tabula rasa Schluss mit der Geschichte gemacht. Die Bestie wird nie wieder im Gévaudan auftauchen und es wird auch kaum Zeugen geben, die etwas erzählen können, vor allem von den krassen Schlussszenen. Und wenn, dann war es halt Soeur, die sich aber auch in der Auflösung befindet. Genau dieser Mut zur Zerstörung und es dann auch dabei zu belassen hat mir oft in anderen Büchern gefehlt. Und Sebastian hat im Nachwort ja selber gesagt, er habe Antoines Geschichte erzählt und die ist zu Ende. Punkt. Auf der anderen Seite bin ich voll bei Sarmodel und habe am Ende ein- zweimal gedacht, hör doch einfach auf ihn! Wenn du der Bestie nachgejagt wärst, dann wärst du vielleicht tot, aber dann hättest du nicht vor Antoines Augen alle Überlebenden gefressen! Aber ja, man darf sich auch mal aufregen und perfekte Protas mit perfekten Entscheidungen sind langweilig. Und diese Entscheidung nicht Avstamet nachzujagen hat ja dazu geführt, dass Sebastian ein zweites Mal den Abstecher ins Gévaudan gemacht hat.
Was ich unglaublich süß fand, dass der Würgezopf mit den Worten Sim Sala Bim aufgelöst wurde, dort habe ich fast ein bisschen geheult.
Am Ende habe ich bei Sebastian gedacht, er will dass Menschsein nicht verlieren und macht deswegen die eine oder andere dumme Entscheidung, gleichzeitig hat ihn sein langes Leben vielleicht auch ein bisschen gleichgültig gemacht. Es wird wohl schwer sein, Sarmodel die Gelegenheit zu geben Anima zu fressen, mit dem Gedanken, dass die dann für immer weg ist. Gleichzeitig muss ihm auf eine Art auch egal sein, was mit dieser Anima passiert. Denn wenn sein schlechtes Gewissen zu sehr überhandnimmt, riskiert er, dass es in einem Massaker endet, von daher denke ich, es ist schwierig ein Gleichgewicht zu finden. Vor allem wenn er dann auch noch merkt, dass es ihm nach der Anima-Verzehrung deutlich besser geht.
Livia kommt mir irgendwie wie ein Teenager vor, sie will los sein vom Vertrag mit Sebastian, frei sein, aber gleichzeitig ist sie dann schon froh, wenn er ihr hilft.
Sarmodel am Ende, da dachte ich noch, er hätte was von dem Dämon Legion.
Die Beziehungen untereinander fand ich komplex und die Figuren und deren Auftreten änderten sich, je nachdem, mit wem sie in welcher Situation Umgang hatten.
Antoine und Sebastians Beziehung war tragisch aber aus meiner Sicht auf Augenhöhe.
Livias und Sebastians Beziehung war eher geschwisterhaft. Man zankt sich, will sich am liebsten töten und dann, hilft man sich eben doch.
Bei Sarmodel und Sebastian fand ich interessant, wie Sarmodel auftrat. Wenn Sebastian vorne war, dann war Sarmodel das zornige Kind. Wenn Sarmodel vorne war, dann war er die Bestie oder der Pavian, der ihn dann auch noch biss. Bei ihnen beiden hatte ich viele Assoziationen. Lehrer und Schüler, in beide Richtungen. Philantrop und Misanthrop. Partner in Crime. Freunde mit und ohne plus.
Von dem her, blieben sich alle Hauptfiguren treu, indem sie auch am Ende ambivalent blieben.
Ich denke, dass ich die Fortsetzung lesen werde, in der Hoffnung, dass im zweiten Buch von den offenen Handlungen und Hintergründen einiges aufgeklärt wird. Aber gleichzeitig denke ich, brauche ich auch Zeit, diese Geschichte zu verdauen und vielleicht sogar zeitnah ein zweites Mal zu lesen. In der Danksagung hat er ja erwähnt, und dass war ja auch Thema in unserer Diskussion, dass er fast einen Viertel seines Lebens damit verbracht hat, dieses Buch zu schreiben. Deswegen hoffe ich, dass er sich für den zweiten Teil doch auch genügend Zeit rausnimmt und sich von niemandem hetzen lässt.