So, ich hab’ den ersten Teil auch bewältigt (und aus Angst vor Spoilern eure Beiträge jetzt noch nicht gelesen - werde ich noch nachholen!)
Kleiner Fun Fact am Rande: Ich bin mit dem Lesen etwas hintendrein, weil ich meinen Skiurlaub im Hotel Sherlock Holmes in Meiringen verbracht habe! Das Hotel ist durch und durch mit Bildern von Sherlock-Holmes-Charakteren dekoriert, in der Lobby liegen überall Sherlock-Holmes-Bücher auf und sogar auf dem Teppich ist das Profil von Sherlock Holmes verewigt! Ich hab’ mich also doch sehr “im Text” gefühlt! (Aber Bemerkung am Rande: Das Hotel ist nicht zu empfehlen! Dafür ist ein Besuch im Sherlock-Holmes-Museum sehr lohnenswert!)
Nun aber zum Buch: Mir ist der Einstieg ins Buch sehr leicht gefallen, liegt vielleicht auch daran, dass sich der Text an Jugendliche richtet und daher der Aufbau nicht sonderlich kompliziert gestaltet ist. Auch der Prolog zeigt ja schon, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt, es fiel mir folglich ziemlich leicht, alles einzuordnen.
Grundsätzlich finde ich den Text spannend und er erfüllt viele typische Krimi-Merkmale. Auch bleiben viele Fragen offen, die mich dazu treiben, weiterzulesen. Wer ist der Drohbriefschreiber? Worauf zielt der Countdown zu Beginn jedes Kapitels ab? Was hat Astorias Vater getan? Mir gefällt eigentlich, dass wir das Geschehen durch die Augen von Astoria sehen. Trotzdem (oder gerade deswegen) irritiert mich aber, dass wir nicht alles erfahren, was sie weiss. Warum erfahren wir als Leser nicht, was Astoria zu Oakley sagt? (Ev. bittet sie sie darum, ihr ein falsches Alibi zu geben?) Warum erfahren wir nicht, was Astoria in den ersten Zeilen in Hartleys Akte lesen kann? Auf welches Geheimnis von Astoria wird im Drohbrief angespielt?
Auch gibt es diverse Aspekte, die mir ziemlich unrealistisch scheinen: Warum werden die Schülerinnen und Schüler tagelang nicht befragt, wenn ein Mord passiert? Auch nicht die engen Kontakte des Opfers? Und was für ein Aufschrei gäbe es wohl, wenn eine Schule wirklich so ein minutiöses Tracking über ein Armband vornehmen wollte?
Was mir am 1. Teil (und ich nehme jetzt mal an, dass sich dies durch den ganzen Text ziehen wird) nicht so gefällt, sind all diese Stereotypen und Klischees. In jedem (und ich meine wirklich JEDEM) Jugendbuch, das ich in letzter Zeit gelesen habe, wird eine homosexuelle Beziehung irgendwo in den Vordergrund gerückt. Versteht mich nicht falsch: Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind auch für mich völlig normal, aber manchmal habe ich das Gefühl, Autoren denken, sie müssten bei jedem Jugendbuch eine homosexuelle Person in den Fokus rücken, um bei den Jugendlichen “landen” zu können. Des Weiteren nerve ich mich etwas über die Darstellung dieser britischen Adligen und Promi-Kinder. Mal abgesehen davon, dass ich finde, dass die Charaktere völlig überzeichnet sind, musste ich doch bei der Namenswahl schmunzeln: Welcher britische Adelige würde denn seine Tochter “Autumn” nennen? Ich hab vor einigen Jahren an einer “normalen” englischen High School gearbeitet und sogar dort fand man fast ausschliesslich klassische Namen… Auch die Tatsache, dass ein Schulleiter seine Schule “Moriarty” nennt, löst bei mir Kopfschütteln aus. Natürlich kann man sagen, dass Moriarty ein kriminalistisches Superhirn gewesen sein soll, aber seine Schule danach benennen? Und dann noch eine Elite-Schule? Wer weiss, vielleicht spielt der 2. Band dann an einer Schule namens “Voldemort”! 😂