DrQuinzel
Hallo zusammen,
erstmal eine kurze Nebenbemerkung aus dem Alltag: ich habe meinem Mann das Buch auf den Nachtisch gelegt und er war erst durchaus interessiert, auch nachdem ich ihm bisschen was davon erzählte. Dann gab er es mir kurz später wieder zurück und meinte, es sei ihm “zu hässlich zum Lesen”. Ups. Kann mir wirklich vorstellen, dass das vom Kauf auch abhält, aber das ist wohl nunmal der Zeichenstil von Mia Oberländer.
Die Mutter erinnert mich leider ein wenig an meine Mutter, muss ich zugeben. Im Buch stehen sie vor dem Meeresfrüchte-Büffet und sie sagt ganz stolz “mein berühmtes Meeresfrüchte-Büffet, beeindruckend, oder?” und keiner ist beeindruckt. Entweder sehnt die Mutter sich nach Anerkennung oder sie ist eine Narzisstin oder beides? Meine Mutter hat immer regelmässig einen Kräuterquark gemacht, wenn ich zu Besuch war, und wollte ihn mir immer auf den Teller geben mit Worten wie “hier, den habe ich selbst gemacht, der ist richtig lecker” und ich musste jedes Mal sagen: “Mama, ich esse doch keinen Quark….” Naja, zurück zum Buch: Interessant ist auch, dass es quasi “kalten Fisch” gibt - nicht gerade das typische Essen, das den Prototyp der “nährenden, warmen Mutter” repräsentiert, oder?
Naja, danach geht es an das Plakat mit der Aufschrift: “ Ein fauler Fisch verdirbt das ganze Essen” - interessant! Hier stellen sich Fragen wie: Kann man ausgerechnet für ein Fisch-Buffet drei Tage lang in der Küche stehen, verdirbt da währenddessen nicht alles? Und natürlich auf der tieferen Ebene: Wer ist der “faule Fisch”? Hier dürfte wohl jeder der Protagonisten eine andere Ansicht zu haben.
Frau Spar ist hier irgendwie als “Versorgerin” zu erkennen, passt ja auch irgendwie zum Lebensmitteleinzelhandel. Sie hat mit dem Balisto tröstliche Schoki dabei. Anstatt sie sich selbst einzuverleiben oder dafür gefeiert werden zu wollen, gibt sie diese dem Jungen und dem Hunde-Sohn. Sie ist vielleicht die einzige, die nicht nur um sich selbst dreht und das vielleicht gerade weil sie eine Außenstehende ist.
Der “lustige Onkel” mäht mit dem Fußball nicht nur seinen Neffen, sondern auch seinen Bruder nieder - also alle anderen männlichen Mitglieder der Familie. Und das nicht unbedingt böswillig, sondern einfach aus Spaß, ohne zu erkennen, wie schlimm dies für die beiden anderen ist. Ich denke, der lustige Onkel kommt ziemlich nach der Mama. Auch, als er nach Frau Spars Outing “Ich heiße nicht Frau Spar” sagt: “Meine Mutter kennt sie seit zehn Jahren!”. Hier wird auch deutlich, was “jemanden kennen” für die beiden bedeutet: Nicht die Person kennen, sondern nur die Funktion, die die Person für sie hat. Das könnte auch durch die fehlenden Namen gespiegelt werden, denke ich. Wir wissen nur, der Name von Frau Spar ist nicht richtig. Und eine Tochter heißt Alma. Ich habe mal gegoogelt, was “Alma” bedeuten kann “junge Frau”, “fruchtbar” oder “mutig” und “fleißig”. Ich glaube nicht, dass der einzige im Buch genannte Name (oder?) zufällig ist. Ist sie der Prototyp einer jungen Frau oder/und zeigt sie noch großen Mut? Bin gespannt!
Die Farben ab S. 228 finde ich schrecklich, finde es echt problematisch für die Wahrnehmung. Was das wohl soll? Waren bisher nur einige Elemente überspitzt wie der rote Kopf und die Hundeverwandlung, wird hier plötzlich alles auf eine irreale Ebene gezogen. Frau Spar “geht die Luft aus” und die Streitschlichter brauchen eine Luftpumpe, um sie wieder aufzublasen. Auch die Streitschlichter sind nicht namentlich genannt und sogar unkenntlich gemacht.
Tja, unser Abschnitt endet mit dem Fahnundgsplakat der Mutter. “Wanted - dead or alive”. Letztlich kann man sagen, die Mutter erntet auf der Feier wohl, was sie gesät hat. Dennoch finde ich, sie ist auch eine tragische Figur, denn “Mühe wurde sich schon gegeben”, wie die Streitschlichter beim Anblick des “Igitt-Buffets” bemerken. Aber sie schafft es nicht, aus ihrer Rolle zu kommen und so bleiben alle in ihrer Rolle (“Ich bin der lustige Onkel!”) haften.
Interessant finde ich auch, dass wir nun wissen, dass eins der Bilder auf dem Titel, “Das ist Familiensache”, aus dem Dialog mit Frau Spar stammt. Während alle Beleidigungen und Kränkungen offen ausgetragen wurde, soll Frau Spar bloß nicht das Erbrochene des Sohnes sehen - erst der körperliche Zusammenbruch ist “Familiensache”, das offenkundig “eklige”, aber die ganzen Unstimmigkeiten sind eben “normal”.
Spannend! Dass das Fest keinen konkreten Anlass wie einen Geburtstag zu haben scheint, lässt vielleicht darauf schließen, dass die Mutter ihren Geburtstag nicht feiert - vielleicht fährt sie dann in Urlaub und will sich nicht mit der lästigen Familie plagen? Aber dennoch ist es ihr wichtig, die Familie wenigstens einmal im Jahr zusammenzubringen.
So, das waren meine Ideen und Gedanken zum zweiten Teil. Ich weiß auch nicht so recht, ob ich das Buch mag oder nicht. Was ich aber weiß, ist, dass es in diesem Buch jede Menge zu entdecken gibt und das finde ich super!