Im ersten Drittel hatte ich das Gefühl, dass man sehr schnell mitten in einer familiären Stimmung landet, die irgendwie vertraut ist: Alle sind zusammen, man redet, aber so richtig entspannt wirkt es nicht. Vieles bleibt unausgesprochen, und gerade das erzeugt Spannung. Ich fand spannend, wie wenig erklärt wird und wie viel man stattdessen über Bilder, Blicke und Körperhaltungen versteht. Eindeutig ein Vorteil der GN: Wie viele Wörter hätte ein Buch gebraucht, um genau das beschreiben zu können?
Besonders aufgefallen ist mir der Junge. Er wirkt fast wie ein kleiner Erwachsener — nicht nur durch seine Kleidung, sondern auch durch seine Haltung am Tisch und beim Essen. Es scheint selbstverständlich zu sein, dass er sich „richtig“ verhält und sich anpasst. Das hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass hier eine Haltung mitschwingt, in der Kinder eigentlich als kleine Erwachsene gesehen werden, so wie man es vielleicht von früher kennt.
Generell hatte ich im ersten Teil stark das Gefühl von Kontrolle: Alle scheinen zu wissen, wie man sich zu benehmen hat, und Abweichungen sind nicht wirklich vorgesehen. In Kombination mit der Idee, dass Familienfeiern gemeldet oder sogar untersucht werden können, hat mich das sehr an die Corona-Zeit erinnert — an Regeln, Begrenzungen und daran, dass selbst private Treffen plötzlich kontrollierbar wurden.
Ich fand auch spannend, wie das Chaos von Gesprächen dargestellt wird: Wenn mehrere Leute gleichzeitig reden und sich die Sprechblasen überlappen, fühlt man sich als Leser*in fast selbst überfordert. Genau dadurch wird für mich sehr gut gezeigt, wie wenig echte Verständigung stattfindet, obwohl ständig gesprochen wird.
Insgesamt legt das erste Drittel für mich die Grundlage für alles, was noch kommt: Man merkt früh, dass es hier weniger um eine gemütliche Familienfeier geht, sondern um alte Muster, Erwartungen und das Gefühl, funktionieren zu müssen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!