Ilija Trojanow “Ein Glas voller Zeit”
Bei Wein bin ich ein Genussmensch im Augenblick und kann den Wein weder einordnen noch kann ich ihn lokal unterbringen, geschweige denn die Traubensorte erkennen. Ich kann nur sagen “ich mag ihn” oder “ ich mag ihn nicht”. Damit habe ich mich immer geniert, an Weinverkostungen teilzunehmen, weil mich die anderen mit ihren beeindruckenden Beschreibungen, was sie wahrnehmen, etwas abgeschreckt haben.
Jetzt lese ich in diesen 146 Seiten über Terroir, Düngung, Ökowein, Quacksalberei und Geldmacherei. Ebenso über Geschmack - und dieses Kapitel gefällt mir am besten! Denn es zeigt, wie komplex wir menschlichen Individuen sind, und wie schwierig es ist, Worte zu finden, um eigene Erfahrungen mit anderen zu teilen. Auch enthüllt der Autor schonungslos das Jonglieren mit abgedroschenen Worthülsen der sogenannten Kenner, das oft nur aufgeblasenes Getue und vor allem eine Verkaufsstrategie ist.
So weit beruhigt, werde ich wohl entspannter an eine nächste Weindegustation gehen und mir selber und meinem Urteil mehr vertrauen ohne mir dreinreden zu lassen.
In diesem Sinne hat sich das Januarbuch für mich komplett gelohnt 🥳
Und überhaupt: ich staune, dass in diesen ersten 10 Januartagen hier bereits dreimal so viele Einträge stehen als im ganzen Dezember 😜 Entweder es haben sich alle zum Neujahr gute Lesevorsätze gemacht oder es liegt an den erfrischend vielen Neuen 🥰 Ist jedenfalls schön!!