Wie kommt ihr mit Weiterlesen voran? Hält sich für euch der Spannungsbogen nach dem Einstieg in die Geschichte?
Der zweite Teil geht deutlich besser zu lesen. Wenn ich weiterlese, ist der Anfang immer noch sehr schwierig, aber sobald ich ein Kapitel gelesen habe, möchte ich fast nicht mehr aufhören.
Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen Viktor und der Kreatur/dem Geschöpf? Welche Haltung zeigt es gegenüber Victor?
Das Geschöpf hat die Entwicklung vom „Baby“ zum Erwachsenen, rasant hinter sich gebracht und sich alles autodidaktisch selber beigebracht, was er selber hatte lernen können. Trotzdem hat er gewisse philosophische Fragen, oder innere Werte selbst durch das lange Beobachten nicht selber lernen oder verstehen können. Da ist es für mich naheliegend, dass er zurück zu Viktor geht. Es gab Momente, da kam mir das Geschöpf dann wieder wie ein Kind/ Teenager vor. Auf der einen Seite die Warum- Fragen, auf der anderen Seite die Vorhaltungen. Das Geschöpf will irgendwie gleichzeitig Liebe und sich von Viktor abkapseln.
Viktors Reaktion verstehe ich noch nicht so ganz, oder noch weniger. Vorallem rückwirkend auf den ersten Teil, den wir gelesen haben. Er hat das Monster erschaffen. Warum flüchtet er vor ihm? Für mich ist das Monster ein Prototyp. In der Entwicklung und Forschung sind doch die Prototypen eher „hässlich“, oder? Fehlende Abdeckungen und heraushängende Kabel. Er hätte sich eine Pause von seinem Schafferdelirium nehmen können und dann weiter machen mit der Entwicklung oder das Projekt anständig beenden. Aber dann wäre halt die Geschichte so wie wir sie kennen nicht passiert.
“Frankenstein” ist ein gängiger Begriff und die meisten von uns haben wohl sofort eine Vorstellung, wovon die Rede ist - so wird der Name häufig in der Pop-Kultur aufgenommen, die Geschichte adaptiert usw. Hat euch bisher etwas am Roman und der “Originalgeschichte” überrascht, das ihr nicht erwartet hättet?
Durch die vielen Gerüchte und das Hörensagen, auch durch das Buch Doktor Jekyll und Mister Hyde, wusste ich schon länger, dass das Monster nicht so aussehen kann, wie es durch den Film bekannt ist.
Nach dem dem ersten Abschnitt habe ich ein wenig im Internet herumgesucht und hab dann gelesen, dass wir heute bekannte Monster und die Erweckung durch Blitze oder Strom dem Film zu verdanken haben. Es musste genügend spektakulär sein, dass es auch in Schwarzweiß krass aussieht und einen mitreißt.
Seit dem Film Van Helsing festigte sich in mir erstmals einen Perspektivwechsel. War das Monster wirklich der Böse oder einfach nur ein armer Tropf, der sich von allen hin und herschieben ließ?
Jetzt nach der zweiten Runde des Buches hass ich Frankenstein so richtig. Für ihn, wenn ich mich richtig zurückerinnere, ist das Monster schuld am Tod seines Bruders und Justine und er hat auch ordentlich ein schlechtes Gewissen wegen Justine die ihren Kopf für Frankenstein hingehalten hat, aber er hätte alles verhindern können. Wenn er sich zum vorneherein genügend Gedanken über seine Forschung und seine Idee gemacht und wenn er sich danach ordentlich um sein Projekt gekümmert hätte.
Dazu sieht man einfach Parallelen in die Gegenwart und das nach zweihundert Jahren, was irgendwie sehr frustrierend ist.
Was mich am meisten überrascht, dass das Gruseln irgendwie zwischen den Zeilen lauert. In Frankensteins Seelenschmetter. Im Selbstzweifel des Monsters. Die ganze Geschichte legt sich wie ein Trauermantel um mich und ich fühl mich selber irgendwie trübsinnig.