DrQuinzel Hallo zusammen
Eine Person aus meiner Familie ist von uns gegangen und ich brauchte Zeit für Trauer. Ich konnte für mehr als 2 Wochen kein Buch ohne abschweifende Gedanken lesen.
Jetzt habe ich es nun doch noch geschafft The Second Death of Locke fertig zu lesen, wenn auch sehr verspätet.
Nun auch mein Fazit zum Abschluss.
Grundsätzlich bin ich ehrlich überrascht, wie das Buch geendet hat. Ich habe fest mit einem richtig fiesen Cliffhanger gerechnet und war dann fast erleichtert, dass die Geschichte für sich genommen so rund abgeschlossen wurde. Dass Locke wieder auftaucht, war für mich klar – schliesslich war das das erklärte Ziel –, aber der Weg dahin und vor allem der Preis dafür hatten es in sich.
Zur grossen Entscheidung: Im Moment mag es vielleicht funktionieren, aber ich bin überzeugt, der Tag wird kommen, an dem Kier Grey dafür verfluchen wird, dass er die Insel nie mehr verlassen kann. Diese Entscheidung ist aus Liebe getroffen worden, aber sie trägt unglaublich viel Zündstoff in sich. Jede Bedingung, jede „Strafe“ trifft Kier immer mit Grey im Hintergrund – das kann auf Dauer nicht ohne Zorn und innere Konflikte bleiben. Die Lösung wirkt im ersten Moment sinnvoll, schreit für mich aber förmlich nach zukünftigen Spannungen.
Der Patenonkel ist mir nach wie vor nicht geheuer. Dass er Locke so einfach akzeptiert, glaube ich ihm keine Sekunde. Dafür gibt es schlicht noch zu viele offene Möglichkeiten – wir haben ja nicht umsonst noch zwei Bände vor uns. Auch Sela sehe ich noch längst nicht am Ende ihrer Rolle, und Leonies erneutes Auftauchen bestätigt für mich ebenfalls, dass sie in Zukunft deutlich wichtiger wird, als man zunächst angenommen hat.
Der dritte Abschnitt hatte für mich starke Momente, vor allem Greys Entscheidung und die Bilder rund um ihre Macht – das Gold aus den Wunden fand ich auch visuell extrem stark. Gleichzeitig wurde es zum Ende hin stellenweise etwas langatmig, etwa bei politischen Gesprächen oder der Regierungsfindung. Den Epilog hätte ich persönlich nicht zwingend gebraucht, auch wenn ich verstehe, warum er da ist.
Die Liebesgeschichte zwischen Grey und Kier war für mich ein zweischneidiges Schwert. Am Anfang sehr intensiv und berührend, gegen Ende dann fast zu sehr von Selbstaufgabe geprägt. Dieses ständige „Ich opfere mich für dich“ hat für mich an Gewicht verloren, gerade weil das gemeinsame Wir dabei manchmal unterging.
Ob ich weiterlesen werde? Ich warte erst einmal die Bewertungen vom zweiten Teil ab.
Danke euch allen für die tollen Beiträge– es hat wie immer unglaublich Freude gemacht, eure Meinungen zu lesen, obwohl ich selber zu wenig beigetragen habe.