So habe das Buch bereits am Freitag beendet, benötigte aber die Zeit um mich mit meinen Gedanken klar zu werden. Denn dies waren eine Menge.
Hat euch das Ende des Romans überzeugt?
Ja und nein – ich finde das offene Ende gut. Da es sich um eine Familiensaga handelt, muss die Geschichte irgendwie weitergehen. Die Flucht in die Schweiz erschien mir als ein guter Übergang.
Allerdings hat mich eines überrascht: Da das Buch mit Lajos beginnt und er uns auch ein wenig, als der Protagonist präsentiert wird, war ich mir zu 80 % sicher, dass das Buch mit seinem Tod enden würde. Nun ja, Biedermann hat mich überrascht – das war nicht der Fall. (Es sei denn, ich habe etwas überlesen, was gut möglich ist.😅)
Wie findet ihr die Geschwister Eva und Pista? Konntet ihr mitfühlen?
Die Geschwister haben für mich den zweiten Teil gerettet. Da Maria und Ilona nicht mehr da waren und ich mich mit Lajos noch immer nicht anfreunden konnte, waren es die beiden, die mich emotional im Buch gehalten haben.
Vor allem Pista ist am Ende sehr in meiner Hochachtung gestiegen. Nachdem, was mit Eva geschehen ist und sie es ihm erzählt hat, hatte ich Angst vor seiner Reaktion. Ich weiss nicht, ob ich hier zu negativ bin, aber in vielen Büchern glaubt der Bruder seiner Schwester nicht – schon gar nicht, wenn es um einen Freund von ihm geht. Viel zu häufig musste ich in anderen Büchern lesen: «Bist du dir sicher, dass du nicht etwas falsch verstanden hast?» oder «Hast du ihn ermutigt?»
Da war ich richtig erleichtert, dass dies nicht Pistas Reaktion war. Nein, er glaubte ihr einfach.
Generelle Gedanken zum Buch
Es wurde bereits einiges erwähnt: Das Buch ging für mich nicht genug in die Tiefe – vor allem, was die Charaktere betrifft. Und das spürte ich insbesondere bei Lajos. Es mag harsch klingen, aber er war für mich nicht greifbar genug. Eine Ironie an sich, da er am Anfang als das Glaskind bezeichnet wurde – so wenig sichtbar war er auch für mich.
Ich bin vor allem deshalb enttäuscht, weil Biedermann bei anderen Charakteren gezeigt hat, dass er mich mit wenigen Worten ihre Persönlichkeit verstehen lassen kann. Doch ich habe das Gefühl, dass das Buch entweder weniger Charaktere oder mehr Seiten benötigt hätte.
Der Schreibstil hingegen war gut in der Lage, mich ins Buch zu ziehen. Jedes Wort schien gut überlegt zu sein.