Mir hat der erste Teil des Romans sehr gut gefallen. Ich war gerade im Bann der Geschichte und neugierig darauf, wie es weitergeht. Die Geburt von Lajos und die Reaktionen der Familienmitglieder darauf sind meiner Meinung nach sehr speziell, z.B. die Schwester Ilona findet Lajos sehr hässlich. Im ersten Abschnitt des 1. Kapitels erfahren wir zudem, dass Lajos nicht Sandors leiblicher Sohn ist, sondern Sandor sich für dessen Vater hält und auch von Maria in dem Glauben gelassen wird. Nur einmal fragt Sandor Maria direkt, ob er der Vater des Kindes ist, S. 19. Maria kann ihn ablenken und die Frage nur indirekt beantworten, indem sie sagt, Lajos gliche Hayoz. Die Antwort genügt Sandor.
Figuren: Imre ist eine Figur, die nur schemenhaft geschildert wird. Er muss als ältester Sohn die Geschäfte nach dem Tode des Vaters übernehmen, obwohl er lieber die Natur beobachtet oder liest. Er wird «verrückt» oder flüchtet sich vielleicht auch in eine Krankheit/Depression. Dadurch wird er von der Last der Geschäfte entbunden und Sandor übernimmt diese von Imre. Imre bleibt im weiteren Verlauf der Geschichte im «Dunkeln, bzw. lebt im blauen Zimmer im Waldschloss. Vielleicht erhält Imre im Lauf der Erzählung weitere Facetten.
Schreibstil: der Schreibstil ist recht anspruchsvoll, lange, verschachtelte Sätze, kurze Kapitel, die sich abwechseln. Es werden jeweils neue Situationen in den Mittelpunkt gestellt. Man wünscht sich manchmal, dass man in einer Szene länger verweilen könnte und mehr erfahren würde. In einem der nachfolgenden Kapitel erfährt man aber wieder mehr zum Kontext oder weiteren Verlauf. Anhand verschiedener Rückblicke und teilweise auch nur Andeutungen schliesst sich der Kreis. Die vielen kurzen Kapitel mit den Titeln wie Glaskind, Geister und Träume unterstreichen den Schreibstil und den Wechsel in den Szenen.
Beeindruckend fand ich die Szene mit dem Verschwinden von Ilona und ihre Verwirrtheit, als man sie wieder gefunden hatte. Sie brauchte etwas Zeit, im alle ihre Erinnerungen wieder zu finden. Daneben wird die Entfremdung oder das Auseinanderleben zwischen Sandor und Maria gut dargestellt. Sandor ist häufig in der nahen Stadt, um offiziell seinen Geschäften nachzugehen. Daneben hat er eine Affäre mit einer Frau in der Stadt. Später erwirbt Sandor ein Schlösschen von einem Freund, der finanzielle Probleme hat, und Maria lebt nun mit den Kindern die meiste Zeit dort. So bleibt der Schein nach aussen gewahrt und beide sind froh über den Abstand.
In Erinnerung bleibt mir die Szene als der Hauslehrer Jonathan in das Leben der Familie trat. Er bringt die Frauen in Unruhe: die Tochter verliebt sich in den Hauslehrer, dieser jedoch begehrt Maria. Ilona kann mit diesem Umstand nicht gut umgehen und bezichtigt Jonathan der versuchten Vergewaltigung an ihr, Daraufhin wird Jonathan entlassen und 3 Tage später tot aufgefunden. Ebenfalls fand ich den Suizid von Maria eindrücklich (wenn auch nur kurz geschildert) und die Beschreibung von Sandor, als er dem Alkohol verfallen war, sehr eindrücklich: die verschiedenen Phasen und seine Empfindungen in den jeweiligen Phasen, die sehr unterschiedlich sind.
Die Erzählung ist spannend und nimmt Bezug auf historische Ereignisse: der Untergang der Monarchie und der Krieg in Europa. Nach dem Tod der Mutter kommen die Kinder in ein Internat. Die Zeit schreitet schnell voran: Ilona heiratet und lebt in Berlin. Lajos stösst während seiner Kur in Héviz auf seine Jugendliebe Lilly und er und Lilly heiraten. Der Vater bleibt weiter dominant, wenn auch im Hintergrund. Die Hochzeitsreise müssen sie abbrechen, als die Nachricht vom Tod des Vaters sie erreicht. Zurück im Waldschloss übernimmt nun Lajos die Rolle des Hausherrn und denkt manchmal sein Vater zu sein, da sein Leben in sehr geordneten Bahnen verläuft und er das Leben als Ehemann und Baron führt und sogar Bankette gibt. Er belebt das Waldschloss wieder und an der Tafel sitzen nicht nur Adlige, sondern auch Maler und Musiker. Auch Imre ist in dieser Gesellschaft anwesend.