Für mich war dieser Roman so etwas wie eine Docu-Fiktion – auch wenn ich nicht weiß, ob es diesen Ausdruck überhaupt gibt. Einerseits lernt man enorm viel über künstliche Befruchtung, besonders über die In-vitro-Fertilisation, andererseits entfaltet der Text zugleich ein Gesellschaftsbild. Nicht nur das medizinische Verfahren steht im Mittelpunkt, sondern auch die sozialen Erwartungen in Südkorea und das, was Frauen und Männer daraus machen.
Besonders eindrücklich fand ich, wie stark der Druck auf den Frauen lastet, Nachwuchs zu bekommen – und wie tief und existenziell der eigene Kinderwunsch empfunden wird. Viele der Protagonistinnen erleben die Behandlungen im „letzten Moment“ ihrer Fruchtbarkeit, sie nehmen fast unmenschliche Strapazen und Schmerzen auf sich, häufig ohne Unterstützung oder gar Verständnis durch ihre Ehemänner. Oft kommt noch der Druck der Schwiegereltern hinzu, meist in Gestalt der Schwiegermutter.
Das Buch macht erfahrbar, dass der Kinderwunsch fast wie ein Trieb wirkt – nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich geformt. Im Erzählen privater Schicksale öffnet der Roman den Blick für größere gesellschaftliche Fragen.
Was für mich allerdings ein Manko war: die Sprache. Ich hätte mir gewünscht, dass der Text literarisch stärker gestaltet wäre. An manchen Stellen wirkt er eher dokumentarisch, beinahe wie eine Reportage. Das ist spannend, aber als Roman hätte ich mir ein sprachlich anspruchsvolleres Niveau erhofft.
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