Im zweiten Teil wird immer deutlicher, wie emotional kaputt eigentlich alle Figuren sind. Genau deshalb wirkt die Geschichte auf mich eher verstörend als romantisch. Besonders Poppys Verlobung mit Sam fühlte sich für mich nicht wie eine echte Liebesentscheidung an, sondern eher wie ein verzweifelter Versuch, irgendwo Halt zu finden. Gleichzeitig merkt man ständig, dass sie selbst gar nicht weiss, was sie eigentlich will. Dass sie die Verlobung später wieder löst, passt zwar zu ihrem inneren Chaos, zeigt aber auch, wie schwer es ihr fällt, ehrlich mit ihren Gefühlen umzugehen.
Auch Jack wirkt im zweiten Teil zunehmend problematisch und verloren. Vor allem die Szene, in der er in Dandelions Zimmer schläft, fand ich eher obsessiv als traurig. Generell haben sowohl Jack als auch Poppy etwas extrem Zerrissenes an sich. Sie klammern sich so sehr an Erinnerungen, Schmerz und Schuldgefühle, dass ihre Beziehung oft mehr auf emotionalem Chaos als auf etwas wirklich Gesundem basiert.
Man spürt richtig, wie sich das Trauma durch alle Figuren zieht. Niemand spricht offen über Gefühle, stattdessen flüchten sie sich in Verdrängung oder emotionale Abhängigkeiten. Genau zwischen diesen zwei Polen bewegt sich das Buch für mich: emotional intensiv und interessant, aber gleichzeitig auch frustrierend, weil die Figuren sich gegenseitig eher tiefer in ihre Probleme hineinziehen, statt wirklich zu heilen. Deshalb weiss ich ehrlich gesagt noch nicht, ob ich das Buch wirklich mag oder eher nicht. Auf die letzten 73 Seiten bin ich aber trotzdem gespannt.