Meine zwei geplanten Bücher sind gelesen:
Dror Mishani, Fenster ohne Aussicht. Tagebuch aus Tel Aviv – Im Klappentext wird es “Ein unheroisches Tagebuch in Zeiten des Krieges” genannt und darin präsentiert Dror Mishani, hier vor allem bekannt als Autor von Kriminalromanen, seine sehr persönlichen Einsichten in ein Leben nach dem 7. Oktober. Nachdenklich, mitfühlend und ohne Wertung. So habe ich viel über den Menschen Dror Mishani gelernt, seine Familie, sein Leben, seine Ansichten, seine Liebe zur Literatur. Die Bezüge, die er immer wieder herstellt zum Propheten Ezechiel, zu Homers Ilias, zu Samson im Buch der Richter, oder auch zu den Werken von Stefan Zweig und anderen, fand ich sehr interessant und aufschlussreich. Denn, und das ist auch ein Zitat aus dem einleitenden Text: “Wenn man nicht wagt, ihn sich vorzustellen, kann es niemals Frieden geben.” Das Ende kam dann leider ein bisschen schnell und das Buch erschien auch nur in deutscher Übersetzung. Das hebräische Original wurde, soviel ich verstanden habe, bisher noch nicht herausgebracht. Das finde ich schade und deshalb vergebe ich ‘nur’ 4½ Bücherherzen, aber trotzdem eine grosse Empfehlung!
Cay Rademacher, Nacht der Ruinen – Köln, März 1945. Es ist die Zeit, als die Domstadt nach einem letzten grossen Bombenangriff in Trümmern liegt, die US-Armee auf der linksrheinischen Seite bereits mit dem Aufbau einer neuen Verwaltung beginnt, und die letzten deutschen Soldaten und der Volkssturm vom rechten Rheinufer her immer noch Widerstand leisten. Während dieses letzten Angriffs stürzt ein Bomberpilot in die Ruinen der Kirche Sankt Kolumba, direkt vor die Füsse der Madonna. Später gibt es Gerüchte über einen Lynchmord. Ein junger amerikanischer Soldat, der anfangs 1939 mit seinen Eltern gerade noch rechtzeitig aus Köln fliehen konnte, wird mit den Ermittlungen in diesem Fall betraut, und während er Zeugen sucht geht er auch seiner eigenen Vergangenheit in der Stadt nach. Das ist spannend konstruiert doch in der Kriminalhandlung gibt es fast zu viele Zufälle. Was hingegen absolut grandios geschildert wird, ist die apokalyptische Szenerie im zerstörten Köln und diese Atmosphäre zwischen Verzweiflung, Misstrauen und Hoffnung. Das ist beeindruckend und hat mir gut gefallen. 4 Bücherherzen und ebenfalls eine grosse Empfehlung!