Ich habe auch den zweiten Teil gerne gelesen.
Das einzige, was mir negativ aufgefallen ist, ist dass nachdem Leo verschwunden ist keine Behörden in die Suche involviert wurden, gerade weil explizit von einer Person der Hausgemeinschaft angesprochen wurde, wie gefährlich z.B. der Strassenverkehr für Leo ist. Ich hätte mir hier mehr Verantwortungsbewusstsein von den anderen Hausbewohnenden gewünscht.
Ich mochte den Szeneriewechsel in das Krankenhaus und dort zu den Mitarbeitenden und zu Pina. Ihre innere Unruhe und die Tatsache, dass selbst die Intensivstation offenbahr ihr Gefühl, immer funktionieren und Verantwortung tragen zu müssen, nicht ins Wanken resp. sie zum Reflektieren bringen kann. Es scheint, als würde sie ihren Gesundheitszustand soweit möglich verdrängen.
DrQuinzel Denkt ihr, die beiden könnten sich nochmals finden im Laufe des Romans?
Ich kann mir höchstens vorstellen, dass es vielleicht zu einer einzelnen Szene kommt, wo Zola Lucy entweder zufällig von weitem sieht, oder sie ein letztes kurzes Gespräch haben, ich denke für mehr Interaktion sind die Verletzungen zwischen ihnen zu gross und ihre Leben inzwischen zu anders verlaufen (obwohl die Lesenden ja nicht wissen, wie es Lucy gerade ergeht).
DrQuinzel Zola übernimmt ausserdem nach und nach mehr Verantwortung für Leo und findet heraus was er braucht um durch den Tag zu kommen.
Das fand ich am schönsten im zweiten Teil, die Beziehung, die Zola zu Leo aufbaut. Sie beobachtet, versucht, versucht erneut. Dabei nimmt sie Rücksicht auf Leo und geht vorsichtig auf ihn zu, um ihn nicht zu bedrängen. Während Zola also eine “äussere” Bindung zu Leo aufbaut, passiert diese Bindung bei Wojtek “im Innern”. Seine Interaktionen mit Leo führen zu Selbstreflektion und der inneren Auseinandersetzung mit der Welt und Wojteks Platz darin.
DrQuinzel Auch Wojtek hat in meinen Augen viele spannende Gedanken und Ansatzpunkte. So z.B. in Kapitel 18 als er darüber sinniert ob Leo nicht einfach mal abhauen wollen kann.
Diese Aussage von Wojtek empfand ich als eine der wirkmächtigsten im Buch.
Zudem fand ich schön, wie Inge mit ihrem verstorbenen Ehemann spricht, das scheint ihr Halt zu geben.