Mein erstes Buch dieser Autorin. Ob das Cover-Bild zur Geschichte passt, bin ich mir nach dem ersten Drittel nicht mehr sicher. Der Titel hingegen sagt alles und birgt eine gewisse Dramatik in sich. Schon beim Lesen des Umschlags bin ich überrascht und finde es verantwortungslos, dass eine alleinerziehende Mutter (könnte auch ein alleinerziehender Vater sein) keine «Stellvertretung» für alle Fälle hat. Umso mehr in der Situation von Pina. Müsste ihr Sohn nicht eine zweite Vertrauensperson haben (Patin/Pate, Schwester, Freundin der Mutter)?
Aber wenn man genauer hinsieht, dann fällt es einem auf, dass er sich anders hält, ein bisschen wackelig, als wäre er nicht ganz trittfest in dieser Welt. (Inge über Leo)
Vermutlich dadurch, dass Pina ihren Stress, ihre Ängste, ihre Belastung - alles ohne Pause, ohne Erholungsmöglichkeiten, mit sich alleine ausmachen muss (ausmacht) hat sie ein Magengeschwür bekommen und ist zusammengeklappt. Ich habe das Gefühl, dass sie selbst im Unterbewusstsein hin und her rennt und die Erholung dadurch nicht optimal erfolgen kann.
Denn immer, wenn sie (Pina) an ihren Tod denkt, sieht sie Leo einsam auf einer Lichtung stehen.
Die Erzählweise macht das Lesen einfach. Relativ kurze Kapitel fortlaufend erzählt. Den Schreibstil empfinde ich als bildhaft und lebendig. Die Besonderheit von Leo wird anhand von Alltagssituationen gut beschrieben, ebenso der Umgang damit oder die Bedeutung seiner Antworten auf Fragen von Pina.
Pina hat ihres und das Leben von Leo bis jetzt (vermutlich) ganz gut alleine gemeistert. Hat all ihre Energie auf Leo ausgerichtet. Denn geht es ihm gut, würde es auch ihr etwas besser gehen. Ich bin gespannt, wie sich «ihr Leben nach dem Spitalaufenthalt» entwickelt.
Leo
Wenn Leo Stau im Automaten hat, kann sie (Pina) ihn nicht bei Inge lassen.
Inge lernt (als erste) die Sprache, die Leo versteht. «Ganz genau, die Mutsch macht Urlaub» (nicht «sie ist im Spital»).
- Sie (Inge) ist in ihrer Wohnung eingesperrt, er (Leo) in seinem Kopf.
- Sie ist seit fünf Jahren bereit zu gehen, ihre unsterbliche Seele sitzt auf gepackten Koffern.
Zola (Alina) muss ihren Weg noch finden. Mir scheint, dass sie bereits erste Schritte dazu gemacht hat, indem sie sich von ihrem ehemaligen Umfeld (Sebi, Kobi) etwas distanziert und sich bald auch ein paar Gedanken darüber macht, wie es Leo geht. Ich bin gespannt, ob wir in den nächsten Teilen noch etwas mehr von der ehemaligen Freundin Lucy erfahren.
Wojtek ist für mich nicht fassbar. Er scheint sich jedoch mit sich selber auseinanderzusetzen, fragt sich, ob dies oder jenes daran liege, “dass er sich so oft nicht als Teil dieser Welt fühlt, sondern als aussenstehender Beobachter.”
Diese soziale Kälte, von der alle reden. Bin das vielleicht auch ich?
Ich bin gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Finden die Hausbewohnerinnen und -bewohner zueinander, nicht nur für den Moment, sondern auch längerfristig? Wird Pina wieder gesund? Findet Zola (Alina) Sinnhaftigkeit im Leben? Freut sich Inge wieder an ihrem Alltag?