Ich bin nun auch fertig mit dem Buch und etwas traurig, das es zu Ende ist, was ja immer ein gutes Zeichen ist.
Für mich ist der Trip ans Meer ebenfalls eine entscheidende Szene im Buch. Leo lernt dadurch, für sich selber einzustehen, nicht immer auf ihre Familie Rücksicht zu nehmen und auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören. Und natürlich stärkt dieser Trip auch die Beziehung mit Jo.
Insgesamt hat mir das Buch, mit leichten Abstrichen aufgrund des schleppenden Beginns, richtig gut gefallen. Den Schreibstil fand ich wunderbar unaufgeregt, sehr authentisch und die Figuren äusserst sympathisch und ich habe mit ihnen mitgefiebert. Die Probleme einer Jugendlichen in diesem Alter (Zugehörigkeitsgefühl, Identität, Familie, Liebe usw.) werden im Roman wunderbar d.h. total realistisch dargestellt, ich habe bei keiner Szene das Gefühl, dass dies überzogen oder unrealistisch dargestellt ist. Mit Ausnahme vielleicht von Jo’s Trip zum Grab seiner Mutter, das fand ich irgendwie nicht realistisch, dass er einfach so lange abhaut, ohne sich zu melden.
Zwei kleine Kritikpunkte: Bei der Beziehung zum Vater hätte ich mir noch etwas klarere Worte gewünscht, hier bleibt vieles vage und unklar, es ist auch kein Happy End ersichtlich. Die Figur wird eigentlich nur dazu benutzt, um Ängste zu schüren, das teilweise spezielle Verhalten der Mutter zu erklären. Hier hätte es für mich noch etwas tiefgründiger werden dürfen, das bleibt sehr an der Oberfläche.
Dann finde ich die Story auch teilweise mutlos mit diesem Happy End, man wird eigentlich nie wirklich überrascht in diesem Roman, alles wirkt sehr strukturiert und logisch, ein Happy End scheint irgendwie immer greifbar und die logische Konsequenz zu sein. Hier hätte ich mir einige Kniffe in der Geschichte gewünscht, spannende, unerwartete Momente, mit denen ich nicht gerechnet hätte.
Sonst aber finde ich die Geschichte wunderbar und mit viel Herz und Charme erzählt, richtig schönes Buch! Danke, dass ich dabei sein durfte!