DrQuinzel Die Kampagne «Deutschland liest ein Buch» finde ich eine tolle Idee. Gleichzeitig frage ich mich aber, ob dadurch nicht auch Erwartungen entstehen, die für ein Buch schwer zu erfüllen sind. Ob «Real Americans» das gelingt? Ich bin gespannt.
Der Prolog in Peking 1966 mit dem Lotos-Samenkorn konnte ich zuerst wirklich nicht einordnen. Beim Weiterlesen hatte ich aber schnell das Gefühl, dass dieses Samenkorn später noch eine wichtige Rolle spielen wird.
Lily Chen ist die Tochter einer typischen chinesischen Einwandererfamilie, die in die USA kam, um den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Obwohl sie in den USA geboren und aufgewachsen ist, scheint Lily sich nie wirklich zugehörig zu fühlen. Sie wirkt oft unsicher, stets auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Ihre eher negative Sichtweise fand ich teilweise etwas anstrengend. Die Tombola-Szene (S. 18) – „… Natürlich gewann ich nichts. Ich war kein Mensch, der Glück hatte …“ – zeigt sehr gut, wie sie sich selbst sieht.
Eigentlich könnte ihre Ehe mit Matthew ihrem Leben Stabilität und etwas Positives geben, aber das ständige Misstrauen steht ihr im Weg. Auffällig finde ich auch, wie problemlos sie trotz der sozialen Unterschiede in Matthews Familie aufgenommen wird. Mir kommt das Moment noch etwas zu glatt vor. Sicherlich ist hier noch nicht alles erzählt.
Sehr gut gefällt mir bisher der Aufbau der Geschichte und der flüssige Schreibstil. Es liest sich sehr angenehm, und man liest gerne weiter, vor allem, weil man die Figuren besser verstehen möchte, auch wenn sie im Moment eher verschlossen wirken. Aber gerade das macht das Buch für mich zum Page Turner.