DrQuinzel
Der 3. Teil war sehr spannend, zum Teil auch bedrückend (als es um die Kinder im Heim ging). Die Begegnung von König mit Schwester Wilhelmine war sehr eindrücklich und auch bedrückend. Die Schwester wollte aber auch ihr Gewissen erleichtern und über die Opfer der vergangenen Jahre reden. Sie schämt sich, dass sie nicht früher etwas gesagt oder unternommen hat. Aber sie braucht ihre Arbeit und liebt diese auch. Ich denke, das ist auch typisch für die Zeit: man kann sich kaum vorstellen, dass solche Sachen tatsächlich passieren. Auch der Kreis der eingeweihten ist klein. An die breite Öffentlichkeit sickert nicht so viel durch. Wenn mal jemand aus dem näheren Umfeld etwas Merkwürdiges mitbekommt, muss er das hinterfragen, bzw. allen Mut zusammen nehmen, um das weiter zu ergründen. Damit bringt sich die Person dann möglicherweise selber in Gefahr! Das Misstrauen untereinander ist ständig spürbar.
Das Ende ist offen, zumindest was König und Lou betrifft. Der Kriminalfall ist gelöst. Ich finde das offene Ende in Bezug auf die beiden Protagonisten passend. Es lässt die Möglichkeit für Fortsetzungen der Buchserie mit Lou und König offen.
Lou erfährt am Schluss über einen Weggefährten von Emil, dass ihr Mann Emil unter falschem Namen in Düsseldorf lebt und nicht zurück kommen will. Dies eröffnet neue Wege für sie. Sie muss nicht mehr auf Emil warten und kann selber entscheiden, ob sie nach ihm sucht oder ihren Weg allein sucht. Ich denke, er ist nicht selber gekommen, ihr dies zu sagen, da es erstens sehr gefährlich für ihn sein könnte und er vielleicht auch nicht den Mut hatte, es ihr persönlich zu sagen. So lässt er ihr die Möglichkeit offen, ein neues Leben ohne ihn zu beginnen.
Ich hatte Susanne Stöbe nicht als Täterin auf dem Radar. Nach der Entdeckung der Kette auf dem Foto durch Lou hatte ich einen Verdacht. Ich kann die Motivation von Susanne Stöbe nachvollziehen.
Es war mir nicht bewusst, dass so viele Kinder mit Behinderungen in Versuche verwickelt wurden oder gar umgebracht wurden. Die Zeit des 2. Weltkriegs ist lange her. Ich persönlich habe diesen nicht miterlebt. Diese Gräueltaten sind schrecklich. Ich glaube aber, dass in jedem Krieg viel Unrecht begangen wird.
König reagiert sehr harsch auf Schwester Wilhelmine, bzw., auf ihre Aussagen zu dieser Zeit. Ich vermute dass er so harsch reagiert, weil er selber ein schlechtes Gewissen hat, in dieser Zeit recht lang bei unrechten Taten mitgewirkt zu haben. Er selber brauchte auch eine gewisse Zeit um das Unrecht zu erkennen und sich gegen die Ausführung zu wehren. Ich denke er sieht die Parallelen zu seinem Verhalten und hat Mühe damit, sich nicht früher dagegen aufgelehnt zu haben. Die Meinung und Eigenständigkeit von Frauen zu dieser Zeit war zweifelsfrei noch auf einem sehr tiefen Niveau.
Durch den Selbstmord von Susanne Stöbe, der für mich nachvollziehbar ist, fällt die Berichterstattung meiner Meinung nach ganz anders aus, als sie erfolgt wäre, wenn Susanne Stöbe von der Polizei überführt, angeklagt und verurteilt worden wäre. So wird alles ihrer psychischen Belastung untergeordnet und dieser als Grund für den Selbstmord konstatiert.