DrQuinzel
Lou wird im Buch immer mit Vornamen erwähnt und König als Polizist nur mit Nachnamen. Für mich deutet das die Distanz an zwischen den beiden Personen: er als Polizist hat eine «offizielle» Position, also Staatsgewalt, sie ist eine «normale» Bürgerin.
Ich finde Lou sympathisch, ja fast etwas bemitleidenswert. Das trifft jedoch auch in gewisser Weise auf König zu. Beide haben Erlebnisse im Krieg gemacht, die anscheinend nicht einfach zu verarbeiten sind. Bei König äussern sich die Auswirkungen auch körperlich, ihm fehlt ein Auge und er benötigt einen Stock. Bei Lou sind es schlechte Träume, also eher phsychisch.
Lou gibt dem Polizisten König eine unbelichtete unbenutzte Filmrolle. Das ist nicht ganz legal und sie unterstützt so nicht die Polizeiarbeit. Jedoch kann sie die Fotos entwickeln und hat ja auch noch andere Bilder als nur die der Leiche gemacht. Da es schwierig und teuer sein wird, an neue, leere Filmrollen zu kommen, ist ihr Verhalten nachvollziehbar. Zudem herrscht gegenüber der Polizei ein gewisses Misstrauen, da die Rolle, die die Polizisten während des 2. Weltkriegs eingenommen haben, nicht klar ist und ebensowenig, wie lange sie bereits als Polizisten tätig sind und wie oder ob sie überhaupt qualifiziert sind.
Ich kann mich noch gut daran erinnern wie es war mit «echten» Filmen zu fotografieren und dass man immer aufpassen musste, diese nicht versehentlich zu belichten. Heute sind «echte» Filme oder Sofortbildkameras ja eher wieder in im Rahmen des Retrotrends. Ich kenne einige junge Leute, die wieder mit alten Kameras fotografieren, als Hobby.
Meiner Meinung nach misstrauen sich beide zuerst. Immerhin ist König offen genug, auf die Bemerkungen von Lou einzugehen und ihre Gedanken zumindest anzunehmen. Ob er von alleine auf die gefalteten Hände aufmerksam geworden wäre, ist schwer zu sagen. Ich denke, spätestens bei der 2. Leiche wäre ihm das aufgefallen.
Justus und Gerti werden uns als jüngere Leute in der Geschichte sicher weiter begegnen. Sie könnten von der Polizei geschnappt werden. Gregor zeigt vielleicht eher die Auswirkungen der Kriegsgefangenschaft. Er wird sicher auch noch eine Rolle im weiteren Verlauf spielen.
Ich vermute, dass weitere Mordopfer im Verlauf des Buches aufgefunden werden.
Die Beschreibung der Kriegs- und Nachkriegszeit ist sehr interessant, aber für mich nur aus Erzählungen bekannt. Meine Eltern haben den 2. Weltkrieg miterlebt als Kinder, aber das ist weit weg.
Ich fand den Einstieg ins Buch nicht ganz einfach, da man die Personen noch nicht alle so einordnen und in Zusammenhang bringen kann. Es sind auch zeitliche Sprünge, die den Überblick nicht vereinfachen, es aber spannend machen. Der Leser muss sich auf die Situationen und Beschreibungen, die sich «greifbar anfühlen», einlassen.
Ich bin gespannt, wie es im 2. Teil weitergeht.