Hallo zusammen
Ich habe das Buch nun ebenfalls beendet. Mein Leseexemplar lag am Montag im Milchkasten, allerdings war ich bereits am Wochenende so neugierig darauf, dass ich mir schon das Hörbuch angehört habe, das online kostenlos zur Verfügung steht. Gelesen wird es von David Nathan, der es meiner Meinung nach sehr gut macht. Ich kann das Hörbuch sehr empfehlen: Es hat mich gepackt und mitgerissen, und auch die Perspektivwechsel liessen sich beim Hören gut nachvollziehen.
Zum Cover: Es gefällt mir, passend zur Jahreszeit und ideal für eine Cosy-Crime-Lektüre an einem nasskalten Winterabend, gemütlich zu Hause.
Zum Buch selbst: ein spannender Krimi auf jeden Fall. Besonders gefallen hat mir, dass aktuelle politische Themen den Hintergrund bilden: die Kritik an der Waffenhaltung in den USA, Bandenkriege, die Tatsache, dass Morde an Einwanderern, Minderheiten und Schwarzen 1995 in den Nachrichten kaum erwähnt wurden und die Öffentlichkeit versuchte, dies auszublenden; ebenso die Bezüge zu Trump, Clinton etc. Auch die Idee, dass ein Mord nicht nur aus Rache, Selbstjustiz, Kaltblütigkeit, Verzweiflung oder Wahn geschieht, sondern ein politisches Projekt des gesuchten Mörders ist – ein Angriff auf die NRA und auf die Waffengesetze –, finde ich sehr interessant und diskussionswürdig. Ebenso das Thema der grossen Einsamkeit, der Verluste und der Traumata, die die Figuren mit sich herumtragen.
Die Taxonomie als Metapher dafür, das Vergangene und Geliebte nicht loslassen zu können, es einzufrieren und nicht weiterleben zu können, finde ich hingegen etwas flach. Viel spannender ist allerdings die Frage, ob es nicht tatsächlich das Gefühl in uns ist, das uns zu einer Tat treibt, die wir im Nachhinein erst mit dem Verstand analysieren und rechtfertigen.
Literaturtechnisch ist der Roman ebenfalls spannend konstruiert, mit den verschiedenen Zeitebenen sowie der Rahmen- und Binnenhandlung. Auch die Figuren finde ich sehr greifbar und bildhaft dargestellt; ich konnte mir die Charaktere gut vorstellen.
Insgesamt ist es ein Krimi, den ich gerne gelesen habe, der tatsächlich die Kraft hatte, mich mitzureissen, und der wichtige aktuelle politische und gesellschaftliche Themen aufgreift.