DrQuinzel Wie gefiel euch der Abschluss?
Konntet ihr euch gut von Margret und dem Buch verabschieden?
Mich hat das Buch bis zum Schluss nicht wirklich gepackt und entsprechend leicht fiel mir auch der Abschied von Margret. Die oft erwähnten Zeitsprünge haben mich dabei überraschenderweise kaum gestört. Im Vergleich zu anderen Romanen empfand ich sie als gut nachvollziehbar, da alles innerhalb derselben Welt und desselben Lebens verortet bleibt. Was mir jedoch über das ganze Buch hinweg gefehlt hat, war die Möglichkeit, echte Nähe zu den Figuren aufzubauen.
DrQuinzel Nach der abgesagten Modenschau und einigen persönlichen Streitereien verlässt Margret Paris und kehrt zunächst nach Genf zurück. Könnt ihr ihren Entschluss verstehen?
Margrets Flucht aus Paris zurück nach Genf ist für mich grundsätzlich nachvollziehbar. Schwerer verständlich finde ich jedoch, wie sie danach mit ihren Beziehungen umgeht. Rémy und Lauriane scheint sie beinahe kommentarlos aus ihrem Leben zu streichen: Von Rémy verabschiedet sie sich nicht einmal persönlich, obwohl sie jahrelang zusammen waren, und für Lauriane soll sie „nur ein Spielzeug“ gewesen sein (S. 147). An solchen Stellen hatte ich den Eindruck, Margret biege sich ihre Welt auch irgendwie so zurecht, dass alle gegen sie stehen.
Unklar geblieben ist für mich auch, in welchem Verhältnis die historischen Passagen des Romans zur Realität stehen. Natürlich ist mir bewusst, dass der Zweite Weltkrieg in dieser Zeit stattgefunden hat. Gleichzeitig beschreibt Röthlisberger an einigen Stellen sehr detailliert, was an konkreten Daten geschehen sein soll. Ob dies sehr gu recherchiert is und die Realität widerspiegelt oder eher literarisch erfunden ist, bleibt für mich offen.
Während viele in der Leserunde das Ende als schön empfunden haben, habe ich auch dieses als tragisch wahrgenommen. Die Beziehung zu Fred erscheint mir stark romantisiert. Auch hier scheint es keinen Raum für Ehrlichkeit und offene Gefühle zu geben: Alles muss gut und fröhlich sein, und was nicht gut ist, wird verschwiegen. Statt eines weiteren Mannes, der Margret nicht wirklich sieht, hätte ich mir einen persönlichen Erfolg für sie gewünscht. Beispielsweise, dass sie sich entscheidet, das Geschäft zu kaufen (S. 167), sich selbstständig zu machen und mit ihren Kreationen bei der modernen Frau Anklang findet.
Am Ende liegt Margret im Sterben, umgeben von einer Familie, die sie kaum kennt und offensichtlich wenig über ihr Leben weiss. Dass man ihr sogar einredet, ihre Reise nach Paris sei lediglich ein Hirngespinst des Alters gewesen (S. 187), empfand ich als besonders bitter. Für mich bleibt der Roman damit bis zuletzt traurig.
Ich verbringe meine Lesezeit lieber mit Büchern, von denen ich entweder etwas lerne oder die etwas Positives in meinem Leben hinterlassen. Am Saum der Jahre tut für mich weder das eine noch das andere und entspricht daher schlicht nicht meinem Geschmack.
Nichtsdestotrotz habe ich mich gefreut, an der Leserunde teilzunehmen, und danke für die Gelegenheit, dieses Buch lesen zu dürfen. Die Eindrücke der anderen Teilnehmer:innen fand ich sehr spannend zu lesen. ☺️