Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger
Diesen Roman kann man nichts anderes als kunstvoll nennen. Die monologische erzählten, unaufgelösten Geschichten, die von der Autorin nachträglich in einem Auditorium auf fast 150 verdichteten Seiten in indirekter Rede vorgetragen werden, sind höchst atmosphärisch und zum Teil bedrohlich.
Der Roman ist ein halluzinatorisch, fragmentarischer “Decameron”, der im Urwald von Panama spielt, wo vor Jahren zwei Holländerinnen verschwunden sind. Dieses Verschwinden soll von den Protagonisten, unter der Regie eines bedeutenden Theatermachers nachgestellt oder wiederbelebt werden. Die unzähligen Geschichten beabsichtigen aber nicht, die Zeit zu vertreiben, sondern sind seltsame Anekdoten, die aus dem alltäglichen Leben fallen. Die Bedeutungen dieser Geschichten bleiben unklar. Auf der Rückseite des Buches werden diese Texte als der Abgrund unserer Welt mit einem Blick in die Finsternis beschrieben.
Der Roman mutiert zum doppelseitigen Kammerspiel: Auf der einen Seite ist der Urwald mit seinem klaustrophobischen Raum und immer währender Feuchte, wo sich alles ungehemmt reproduziert, wächst und stirbt und auf der anderen Seite das Auditorium, wo der Dschungel zu einem Raum der Introspektion, des Erinnerns und des Verarbeitens wird.