“Heinrich verstand es nicht” (S. 223) - und ich ehrlich gesagt auch nicht. Die Leser:innen dürften sich vielleicht fragen, wie mehrere jüngere Menschen es sich leisten können, Tage und Wochen (S. 142) ohne jegliche Erwerbsarbeit in Kalabrien zu verbringen, die Tage unterbrochen gelegentlich durch tiefsinnige Gespräche über Liebe und Gott - oder eine Line Kokain. Die Geschichte, ominös angekündigt mit: “Keiner hätte gedacht, dass es so enden würde” (S. 118), endete so, wie ich es tatsächlich nicht erwartet hatte, nämlich völlig unklar. Die Leser:innen werden völlig im Unklaren gelassen, was mit den jeweiligen Protagonisten passiert. Ausser dass Pater Angelo tot und Heinrich auf der Flucht ist, weiss man nichts über das Schicksal der anderen. Sind sie ertrunken (D und Loreen), glücklich verliebt (Lisa), konvertiert (Jeremias) oder in die Psychiatrie eingeliefert (Gabriel)? Und wieso drehte Gabriel überhaupt auf einmal durch?
Ab S. 191 wird die Geschichte nun nicht nur aus der Perspektive von D erzählt, sondern zusätzlich (und verwirrlich) aus derjenigen der Bewohner:innen der Villa - inklusive der Perspektive des Dackels Heinrich (immerhin hat der nicht nur eine aussergewöhnlich enge Begegnung mit einem Eber sondern auch einen ausgeprägten Überlebensinstinkt. Respekt¨!).
Und überhaupt, mit einem Blick so präzise wie ein Teppichmesser (S. 168) und Diagnosen um sich werfend so scharf wie Rasierklingen (S. 197) könnte man zum Schluss kommen, dass die Geschichten vor Kalabrien und nach Kalabrien nur die Gemeinsamkeit haben, dass es D ist, der hier Szenen aus seinem Leben erzählt.