Als Eisbrecher der ersten Leserunde muss ich gestehen, dass mir weder der Name noch das Gesicht von Daniel Donskoy bekannt waren. Offensichtlich bin ich weder ein Fan von Serien noch vom Tatort. Und vermutlich werde ich auch kein Fan des Autors Daniel Donskoy. Wäre ich nicht in dieser Leserunde, was eine gewisse Verpflichtung zum Lesen mit sich bringt, hätte ich vermutlich nach Kapitel 2 das Buch weggelegt und unter “Verluste” verbucht. Der Dank dennoch an Orell Füssli, die solche Leserunden via Book Circle ermöglicht.
Die Sprache der ersten Kapitel (und die erzählten Erlebnisse) hätte ich eher in einem Jugendroman vermutet - oder eher: in einem Roman eines Jugendlichen, der sich bemüht, irgendsowas wie spannende Geschichten zu schreiben. Wenig differenzierte Sprache, holprige Vergleiche, gesucht wirkende sprachliche Bilder (“serotoninarmen Aggregatszustand”). Und wer schon mal eine Urinprobe abgeben musste, weiss, dass man vielleicht besser vorher den Deckel aufschrauben sollte. Müssen die Leser:innen wirklich erfahren, dass “D” seinen Urinstrahl buchstäblich nicht wirklich im Griff hat?
Woher Dima kommt, weshalb er mitfährt, erfährt der geneigte Leser nicht. Wie “D” zum Engagement in Russland gekommen ist, auch nicht. Auch nicht, weshalb Elouisa Blunderstone so furchterregend sein soll. Ausser ihrer Körperfülle und den kleinen und dinkelgelben Zähnen wird einem dies nicht klar, aber es wird drastisch geschildert. Wäre eine Winona Ryder nicht ungleich furchterregender in der gleichen Rolle?
Trotz renommiertem Verlagshaus ist einmal mehr festzustellen, dass nicht sehr sorgfältig redigiert wurde: Tverskoi-Boulevard oder auch Twerskoj Boulevard, Villazon oder auch Vilazon.
Nun geht es in den nächsten Seiten weiter nach Kalabrien ins Jahr 2020. Ob hier etwas passiert ist, das Moskau 2023 “erklärt”? Vermutlich eher nicht.