Sophia111
Ich habe mich sehr gefreut, das auch optisch ansprechende kleine Buch in den Händen zu halten. Das blaue Cover spricht mich an. Nimmt woh Bezug auf die Szene im Hallenbad (s.110): es bilden sich geometrisch angeordnete Formen am Grund, Sie glänzen, als würde ich durch ein Kaleidoskop schauen. Ich bin selber oft im Hallenbad, kann das gut nachvollziehen.
Das ist das erste Buch dieser Autorin, das ich lese (aber wohl nicht das letzte).
Die Erzählweise fasziniert mich. Es sind keine Kapitel, wie sonst üblich, sondern kurze Betrachtungen Szenen, Gedanken, poetisch, philosophisch. Man möchte viele der Sätze im Gedächtnis behalten.
Trotzdem kann man das Beziehungsgeflecht zwischen den Protagonisten problemlos ordnen, weiss, wer zu wem gehört. Die Ich-Erzählerin, zwischen 35 und 40 Jahre alt, lebt im gleichen Haus mit ihrer Jugendfreundin Sophie (in getrennten Wohnungen) und deren Sohn Eric, welchen sie gemeinsam betreuen. Die Mutter von Sophie, Klara, stellt die Ich-Erzählerin quasi an, um Lily, die Grossmutter von Sophie im Altersheim mit zu betreuen, zu unterhalten, mit ihr kleine Reisen zu unternehmen usw. Scharf beobachtete Szenen, genial beschrieben, aus dem Altersheim sind so lebensecht-das Erinnern an weit zurückliegendes, das Vergessen von kürzlich Passiertem z.B.
Nebenbei kommt auch noch der Krieg, die auseinander gerissene Familie, der frühe Tod des Vaters, gestorben an gebrochenem HJerzen) der Ich-Erzählerin zur Sprache, auch in poetischer Sprache, ohne Vorwürfe. Szene am Grab des Vaters: sie geht immer allein, niemand soll sie weinen sehen.
Und immer wieder kommt der Gedanke, dass die Ich-Erzählerin all das verlassen möchte, wird.
Bin gespannt, ob sie das in die Tat umsetzt