Die Ehefrau des Hauptprotagonisten meint, sie halte das wohl nicht mehr lange aus. Damit spricht sie das launenhafte Wesen ihres Ehemannes, die innere Wut, die ihn beherrscht, an. Er reagiert oft völlig unangemessen und aggressiv, auch seinen Kindern gegenüber. Er bemerkt, wie seine Tochter sich verhält, dass sie Angst hat vor ihm und ihn immer zu schonen versucht - dass sie ihn fragt, ob er etwas will, frägt nach, was er meint, sagt “wenn es dir nichts ausmacht … ” Das macht ihn sehr betroffen und er will etwas ändern. Er beginnt in seiner Herkunft zu suchen, denn sein Grossvater hat dieses Verhalten ebenfalls gezeigt. Er besucht seine noch lebende Grossmutter und forscht dann weiter. Sein Grossvater war der Schriftsteller Sven Stolpe. Er beginnt zu lesen und trifft auf den Schlüsselsatz, dass jm Juni 1932 das sexuelle Attentat stattgefunden hat. Dem geht er nach. Speziell - es ist ein Roman, aber ein (auto)biografischer, spannend und flüssig zu lesen wie ein Pageturner, mit viel Tiefe. Es gab den Grossvater Sven Stolte, seine Grossmutter Karin Stolte, auch Olof Lagercrantz etc. und er beruht auf wahren Ereignissen, auf Recherchen anhand der zahlreichen Tagebücher und Briefe. Es ist spannend, die Ergebnisse der Nachforschungen mitzuverfolgen. Schulmann schreibt ungeheuer spannend, mitreissend und lebendig, ohne in eine ausschweifende Sprache abzudriften. Es ist aber ein Roman, dessen muss man sich beim Lesen bewusst sein. Er eröffnet sich einem auch grösstenteils, was sicher nicht Fiktion ist, sondern Erinnerungen des Autors und Auszüge aus Tagebüchern und Filmen. Im Buch wechseln sich Abschnitte, welche die Recherche und Gedanken des Ich-Erzählers wiedergeben ab mit Kapiteln, welche die Ereignisse im Jahr 1932 aus Sicht von Karin oder aus Sicht von Olof geschrieben sind und mit Kapiteln aus dem Jahr 1988, welches Erinnerungen des Autors an Besuche bei seinen Grosseltern spiegelt, wie er die Grosseltern, ihr Miteinander, erlebt hat. Dieser Plot ist ausgezeichnet. Es ist so mitreissend zu lesen - nicht einfach. Es gibt auch keine Leichtigkeit im Geschehen. Alex Schulmann vermag sich hervorragend auszudrücken. Die Personen erhalten eine Gestalt, ein Gesicht und auch die Umgebung kann man sich bildhaft vorstellen, ohne dass er viele Worte machen müsste. Die Frage, ob Alex Schulmann den narzisstischen, besitzergreifenden, aggressiven Grossvater in dieser Art beschreiben darf, kann man sich stellen. Kommt er doch eindeutig schlecht weg im Vergleich mit der Grossmutter. Der Autor stellt sich am Ende des Buches selbst dieser Frage und beantwortet sie. Eines der Mädchen blickt verstohlen zu mir (Ich-Erzähler, Vater) auf. Warum sieht sie so erschrocken aus? Kleine Zeichen, in Blicken und Gesten. Wie meine Kinder ständig die Situation analysierten und überlegten, wie ich wohl reagieren könnte. Sie reagierten nicht auf die Welt, sondern auf meine Reaktion auf die Welt. Das war so unangenehm vertraut. Was ich sie tun sah, wie sie sich zu meiner Wut verhielten, darin erkannte ich mich als Kind. Meine eigenen Erinnerungen an Sven Stolpe sind zwiegespalten, er war sowohl der schnurrige Grossvater, der seinen Enkeln Briefchen in Limericks schrieb und sie mit dem Alter Ego “Krokus Schmetterlingsson” unterzeichnete, als auch die unberechenbare Urgewalt der Wut, zu der wir uns permanent verhalten mussten. Sie hatte es geliebt, am Wochenende morgens lange zu schlafen, … Aber als sie begriff, dass Sven fand, es sei unanständig, erst nach neun Uhr aufzustehen, hörte sie auch damit auf. Sie veränderte sich ständig, nur um festzustellen, dass es immer neue Dinge gab, an denen Sven sich stiess. Diese Angst davor, etwas falsch zu machen. Mir (Ich-Erzähler während der Recherche) ist bewusst, dass Sven Stolpes Wut auch meine ist. Ich weiss, dass sie in mir Wurzeln geschlagen hat und alles zerstören kann, was mir etwas bedeutet - meine Beziehung zu Amanda und meinen Kindern. Aber vielleicht ist in dieser seltsamen Phase meines Lebens, in der ich Licht in die Finsternis gebracht habe, etwas mit mir geschehen. Eine Einsicht, die viel ausmachen könnte: Ich tappe nicht länger im Dunkeln. Ich weiss, welche Aufgabe ich vor mir habe. Und ich stecke nicht fest, ich bin in Bewegung. Das ist eine gewaltige Kraft.