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Jeremias Gotthelf
In "Die schwarze Spinne" verbindet Jeremias Gotthelf eine dörfliche Rahmenerzählung mit einer unheimlichen Legende von Schuld, Verführung und göttlicher Vergeltung. Ausgehend von einer Tauffeier entfaltet sich die Geschichte eines teuflischen Pakts, dessen Zeichen als schwarze Spinne zum Träger kollektiven Grauens wird. Der Stil ist zugleich volkstümlich, biblisch aufgeladen und psychologisch präzise; im Kontext des 19. Jahrhunderts steht die Novelle zwischen Biedermeier, frühem Realismus und religiöser Schauerliteratur. Jeremias Gotthelf, eigentlich Albert Bitzius, war nicht nur Schriftsteller, sondern auch reformierter Pfarrer im bernischen Emmental. Seine genaue Kenntnis ländlicher Lebensformen, sozialer Abhängigkeiten und religiöser Denkweisen prägt dieses Werk entscheidend. Als Seelsorger beobachtete er die Spannungen zwischen Gemeinschaft, Eigennutz und moralischer Verantwortung; als Erzähler formte er daraus eine Parabel, in der das Dämonische weniger äusserer Effekt als Offenlegung menschlicher Verfehlung ist. Dieses Buch empfiehlt sich allen Lesern, die Horror nicht als blossen Schrecken, sondern als ernsthafte moralische und gesellschaftliche Analyse verstehen. "Die schwarze Spinne" ist kurz, dicht und von anhaltender Wirkung: ein Klassiker, der zugleich erschüttert, belehrt und zeigt, wie tief das Unheimliche im Alltag verwurzelt sein kann.
Schule & Lernen
Musaicum Books
Deutsch
48
9788027264360
978-80-272-6436-0