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Gottfried Keller
Der Grüne Heinrich, in erster Fassung 1854/55 und später grundlegend überarbeitet, ist ein zentraler Bildungs- und Künstlerroman des deutschsprachigen Realismus. Er verfolgt Heinrich Lees Weg von der schweizerischen Kindheit über ästhetische Selbsttäuschungen bis zum Scheitern als Maler und zur schmerzhaften Selbsterkenntnis. Kellers Prosa verbindet genaue soziale Beobachtung, symbolische Farb- und Naturmotive, ironische Distanz und psychologische Tiefenschärfe; das Autobiographische wird dabei zur literarischen Untersuchung von Begabung, Verantwortung und bürgerlicher Wirklichkeit. Gottfried Keller, 1819 in Zürich geboren, kannte die Spannungen dieses Stoffes aus eigener Erfahrung. Er wollte zunächst Maler werden, studierte in München, erlebte künstlerische Enttäuschung und materielle Unsicherheit, bevor er sich der Literatur zuwandte. Politischer Liberalismus, schweizerische Herkunft, philosophische Eindrücke seiner Studienjahre und seine spätere Tätigkeit als Zürcher Staatsschreiber schärften seinen Blick für das Verhältnis von individueller Phantasie und gesellschaftlicher Ordnung. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die den Realismus nicht als blosse Wirklichkeitsabschrift, sondern als intellektuell anspruchsvolle Form der Selbstprüfung verstehen möchten. Der Grüne Heinrich ist ein eindringliches Werk über Jugend, Kunst, Schuld und Reifung - zugleich persönlich, historisch präzise und von bleibender moderner Unruhe.
Biografien & Erinnerungen
E-artnow
Deutsch
420
9788027352081
978-80-273-5208-1