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Gottfried Keller
Gottfried Kellers "Martin Salander", 1886 als Altersroman erschienen, verbindet die Form des Heimatromans mit der Schärfe des poetischen Realismus. Im Mittelpunkt steht ein heimkehrender Schweizer Kaufmann, dessen idealistischer Bürgersinn an Spekulation, Ämterjägerei und familiärer Täuschung zerreibt. Keller zeichnet keine idyllische Heimat, sondern eine republikanische Gesellschaft im Übergang zur Moderne: nüchtern, ironisch und mit moralischer Präzision beobachtet. Keller, 1819 in Zürich geboren, war nicht nur einer der bedeutendsten deutschsprachigen Realisten, sondern auch Staatsschreiber des Kantons Zürich. Seine politische Erfahrung, seine Kenntnis bürgerlicher Institutionen und seine lebenslange Skepsis gegenüber hohlen Fortschrittsversprechen prägen diesen Roman entscheidend. Nach den "Leuten von Seldwyla" und dem "Grünen Heinrich" verdichtet er hier persönliche, gesellschaftliche und nationale Fragen zu einem späten kritischen Vermächtnis. "Martin Salander" empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Heimatliteratur nicht als blosse Verklärung, sondern als ernsthafte Analyse sozialer Wirklichkeit verstehen wollen. Der Roman ist zugleich Familiengeschichte, Gesellschaftsstudie und politische Warnschrift. Seine Aktualität liegt in der Frage, wie Gemeinsinn, Bildung und Vertrauen bestehen können, wenn öffentliches Leben von Eigennutz und Täuschung bedroht wird.
Romane & Erzählungen
E-artnow
Deutsch
168
9788027353675
978-80-273-5367-5