Ich habe dieses Buch als e-book auf einer Bücherplattform als Rezensionsexemplar erhalten, vielen Dank dafür. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, erlaube mir aber, meine Rezension auf Deutsch abzugeben.
Die Story beginnt unvermittelt mit der Beschreibung eines Arbeitstags von Mr. Phipps, der - wie sehr schnell klar wird - der Tätigkeit als Auftragskiller nachgeht. Unglückliches Ziel von Mr. Phipp’s Auftrag ist Joseph Severin, ein durch und durch durchschnittlicher Geschäftsmann aus London, der jedoch einen nicht ganz so durchschnittlichen Nebenjob hatte. Leider gelingt es Mr. Phipps nicht, die Bücher von Mr. Severin sicherzustellen, die sein Auftraggeber verlangt hat. Damit beginnt ein Strudel von Ereignissen, der auch weitere eigentlich unbeteiligte Personen mit in den Abgrund zieht…
Mit einem Sprung 5 Tage zurück erfährt der Leser im Folgenden, was es mit den “Shadows” auf sich hat, wie Mr. Severin und Mr. Phipps mit ihnen verbunden sind, und wie es für Mr. Severin zu diesem tragischen Höhepunkt kommen konnte. Die Wege von Mr. Severin; Lottie, der Pianistin und ihrem Freund Patrick, dem Schauspieler; der Russin Sonya, die sich aus Not verkaufen muss; und jene der Shadows kreuzen und verflechten sich. Was die Shadows nicht ahnen - Agentin Ellerby vom MI5 ist ihnen näher auf den Fersen als sie erwarten. Gelingt es ihnen, trotz des Fehlers von Mr. Severin unentdeckt zu bleiben?
Das Buch hat mich mit sehr gemischten Gefühlen zurückgelassen. Es ist ein spannender Thriller, aber am Ende blieb ich ein wenig ratlos darob zurück, was denn nun wirklich die Story ist. Die Geschichte ist clever aufgebaut, das Puzzle, wer hinter den Shadows steckt und wer am Schluss womit davonkommt setzt sich Stück für Stück zusammen und bleibt bis zum Ende packend.
Etwas schwer getan habe ich mich hingegen mit den Charakteren: Die Story wird Kapitel für Kapitel aus der Perspektive unterschiedlicher Akteure erzählt, und zu einem grossen Teil aus der Sicht der ‘bad guys’. Die Abgrenzung zwischen gut und böse verschwimmt teilweise, denn jeder der Akteure hat Fehler und charakterliche Schwächen, und niemand ist wirklich durchgehend sympathisch, eher im Gegenteil. Die Perspektive von Ellerby und dem MI5 als Vertretern des Rechts und des Guten erhält vergleichsweise wenig Raum, und selbst hier gibt es kein klares Gut oder Böse. Dadurch wird die Story allerdings auch ziemlich realitätsnah - das Leben verlangt von allen Kompromisse, und es gibt niemanden, der stets moralisch überlegen ist. Spannend ist auch, wie die Charaktere beschrieben und entwickelt werden - wie sie in ihren verschiedenen Rollen in ihren Leben handeln und Welten auseinanderhalten. Besonders interessant ist in dieser Hinsicht Mr. Phipps, der als sehr vielschichtige Person dargestellt wird. Andere Charaktere hingegen sind in der Tat durchwegs sehr unsympathisch, was das Lesen nicht immer sehr erfreulich macht.
Für die Shadows - ein Gruppe von Studienkollegen aus Oxford, die alle in hochrangigen Positionen stehen und diese für Ihre Zwecke missbrauchen - scheinen mir von den “Cambridge Five” inspiriert zu sein, einer legendären Gruppe von Spionen im MI5 in den 1930er bis 1950er Jahren. Die Story liest sich auch wie ein Spionageroman, obwohl Spionage nicht wirklich im Zentrum der Handlung steht.
Für meinen Geschmack wäre die Story auch mit weniger sehr expliziter Gewalt und Vulgarität gut ausgekommen. Ich denke, damit soll die Rücksichtslosigkeit und Menschenverachtung einiger Protagonisten dargestellt werden, allerdings hätte man das auch weniger explizit erreichen können. Das Buch ist damit ganz klar nur für Erwachsene geeignet.
Mein Fazit - eine spannende, fesselnde, aber auch verstörende Lektüre, die einen an das Böse im Menschen glauben lässt. Auch wenn mir das Buch grundsätzlich gefallen hat, bin ich noch nicht sicher, ob ich auch weitere Bücher des Autors lesen möchte.