Lyra hat im ersten Band das Crucible gewonnen. Hades, nun König der Götter, hat endlich die Möglichkeit, Persephone aus der Unterwelt, genauer gesagt aus dem Tartaros, zu befreien. Doch wie könnte es anders sein: Nichts läuft nach Plan. Am Ende landen Lyra (und Boone) selbst im Tartaros und stehen dort nicht nur Persephone, sondern auch all den gefangenen ultra-bösen (?) Titanen gegenüber.
Der einzige Weg aus dem Tartaros? Sieben Prüfungen bestehen, ähm nein, sieben Schlösser von Göttern knacken indem die darin gestellten Aufgaben gemeistert werden. Klingt bekannt? Ist es auch. Dieses Motiv kam in sehr ähnlicher Form bereits in Band 1 vor.
Und genau hier beginnt eines meiner grössten Probleme mit diesem Buch: Vieles fühlt sich wie eine Wiederholung an: wieder Prüfungen, wieder künstlich erzeugte Spannung, wieder ein Plot, der stark an den Vorgänger erinnert …
Mittlerweile glaube ich, dass Band 1 einfach ein Stand-Alone hätte bleiben sollen. Es war alles abgeschlossen und fühlte sich “gut” an. Washalb nun also eine Reihe daraus machen?
Ausserdem fühlte sich der Plot für mich zu überladen an. Viele Szenen wirken wie belanglose Sidequests mit kaum spürbaren Konsequenzen, obwohl es eigentlich um Leben, Freiheit und den Ausweg aus dem Tartaros gehen sollte. Es gibt unzählige Nebenfiguren und mythologische Gestalten, die eingeführt werden, ohne dass sie wirklich Tiefe oder Bedeutung bekommen. Zum Glück kenne ich mich gut aus in griechischer Mythologie, ansonsten wäre ich echt verloren gewesen mit den vielen verschiedenen Charakteren. Denn neu kommen zu den Göttern auch noch die Titanen dazu.
Lyra selbst hat mich emotional nicht wirklich abgeholt. Während sie im ersten Band noch als starke, selbstbestimmte Figur geschrieben wurde, wirkt sie nun plötzlich unsicher und ich kann auch nicht wirklich verstehen, wie schnell sie Vertrauen fasst speziell zu Kronos.
Ihre Beziehung zu Hades fühlt sich für mich weiterhin aufgesetzt an. Die grosse Liebe, auf der ein Grossteil der Geschichte basiert, wirkt für mich nicht glaubwürdig. Und in diesem Band kommt nun noch dazu, dass die beiden so lange getrennt sind. Einzig die POV Kapitel aus Hades Sicht fand ich da noch eine amüsante Abwechslung. Seine Entwicklung, seine Vergangenheit und seine innere Zerrissenheit sind spannend, aber auch hier finde ich, dass der Hades, den wir aus Buch 1 kennen (und der eigentlich das Produkt sein sollte aus allem was in Band 2 passiert) nicht mit dem übereinstimmt, was wir nun in Band 2 erfahren….
Achtung Spoiler
Ein besonders grosser Stolperstein für mich ist ausserdem die ganze Zeitreise-Thematik. Was theoretisch spannend hätte sein können, wird für meinen GEschmack chaotisch umgesetzt. Die Geschichte verstrickt sich in mehrere Zeitstränge, Regeln werden eingeführt und kurz darauf wieder gebrochen, und ich musste mich stark konzentrieren, um überhaupt noch zu wissen, wer sich wann, wo und in welcher Version der Realität befindet und mit welcher Version von welcher Person spricht.
Spoiler Ende
Das Ende selbst hat mich ebenfalls nicht wirklich abgeholt. Die Lösung des zentralen Problems wirkt konstruiert, und obwohl es einen Cliffhanger gibt (die Frage, wer eigentlich von Anfang an die Fäden gezogen hat) reicht das für mich nur knapp aus, um überhaupt über darüber nachzudenken den dritten Band zu lesen.
Falls ich mit der Reihe weitermache, dann definitiv als Hörbuch. Denn eines muss man sagen: Die Sprecher holen aus der Geschichte deutlich mehr heraus, als der Text für mich allein leisten konnte.
Insgesamt bleibt bei mir ein gemischter Eindruck. Das Buch ist nicht schlecht geschrieben, aber zu lang, zu überladen und zu wenig fokussiert. Ich stehe irgendwo zwischen Enttäuschung und Gleichgültigkeit und bin unsicher, ob Band 3 wirklich noch nötig ist bzw. ob ich es lesen möchte, oder ob ich mich dann nicht doch eher eine Reihe widme, die mich wirklich abholt.