Hesse beschreibt seine Morgenlandfahrt, eine Reise mit Gleichgesinnten des Bundes, die das Licht im Osten suchen. Mystisch utopisch vermischen sich Zeiten und Orte, Personenen aus Geschichte und Gegenwart in dieser Suche nach dem Sinn des Lebens. Allerdings scheitert er vorerst, landet zurück in der Welt der Zahlen, Termine, Verpflichtungen und Fakten. Dann allerding erwacht seine Sehnsucht wieder, er macht sich auf die Suche nach Leo, seinem Diener, oder übertragen nach dem Lumen Ex Oriente, dem Licht aus dem Morgenland.
Es ist eine Mischung aus Coming of Age, Fantasy und Erinnerungen an Kinderkreuzzüge, die aufzuzeigen versucht, dass die wesentlichen Ziele im Leben schwer zu umschreiben sind, selten so erreicht werden können, wie sie ursprünglich geplant waren, letztlich aber das zählt, was gelebt wurde und einen zu dem gemacht hat, wer man geworden ist. Der Schreibstil ist ungewohnt, nicht heutig, aber flüssig lesbar.
«Mein Glück bestand tatsächlich aus dem gleichen Geheimnis wie das Glück der Träume, es bestand aus der Freiheit, alles irgend Erdenkliche gleichzeitig zu erleben, Aussen und Innen spielend zu vertauschen, Zeit und Raum wie Kulissen zu verschieben. So wie wir Bundesbrüder ohne Auto oder Schiff die Welt durchreisten, wie wir die vom Kriege erschütterte Welt durch unseren Glauben bezwangen und zum Paradiese machten, so riefen wir das Gewesene, das Zukünftige, das Erdichtete schöpferisch in den gegenwärtigen Augenblick».
Im Rückblick auf seinen Versuch, die Morgenlandfahrt als historischen Bericht festzuhalten, schreibt er mit Blick auf sein Leben: «Wie verschob, veränderte und verzerrte sich alles und alles in diesen Spiegeln, wie spöttisch und unerreichbar verbarg sich das Gesicht der Wahrheit hinter all diesen Berichten, Gegenberichten, Legenden! Was war noch Wahrheit, was war noch glaublich? Und was würde übrigbleiben, wenn ich auch noch über mich selbst, über meine eigene Person und Geschichte, die Wissenschaft dieses Archives erfahren würde»?
Und doch bemerkt er zum Schluss, dass diese Lichtsuche ihn langsam aber stetig mit eben diesem Licht erfüllt hatte, dass «die Gestalten aus Dichtungen lebendiger und wirklicher zu sein pflegen als die Gestalten ihrer Dichter».