Auf den ersten Blick ist Vea Kaisers neuester Roman eine klassische Aufstiegsgeschichte: Eine alleinerziehende Mutter kämpft um ein gutes Leben für sich und ihr Kind. Dazu ist sie zu kriminellen Handlungen bereit, etwa zur Fälschung von Rechnungen aus dem Grand Hotel, wo sie arbeitet.
Auch das Bekehrungsmotiv ist dabei: Vor ihrer Mutterschaft geniesst die Protagonistin Angelika das Nachtleben. Die Geburt des Kindes führt zu einer inneren Wandlung.
Das Verdienst dieses Romans liegt aber nicht in erster Linie auf der Handlungsebene. Es ist das kunstvolle Ineinander von Textbezügen, die die Lektüre zu einem einzigartigen, genüsslichen Ereignis werden lässt. Kluger Humor und existenzieller Ernst wechseln sich ab, mit geschmeidigen Übergängen von der antiken Fabel über die romantische Ironie bis hin zur Collage-Technik der Postmoderne. Eine gehörige Portion Existenzphilosophie ist ebenfalls dabei, ohne Besserwisserei oder stilistische Schwerfälligkeit.
Fazit: Sehr lesenswert. Unterhaltsam und lehrreich in einem.