Bible Bad Ass von Edith Löhle ist ein Buch, das mich gepackt, angeregt und immer wieder zum Nachdenken gebracht hat – und das, obwohl mich die Sprache manchmal fast rausgeworfen hätte. Es ist das zweite Buch in kurzer Zeit, das sich mit der Unsichtbarmachung von Frauen beschäftigt, das erste war Komponistinnen – Frauen, Töne und Meisterwerke von Aliette de Laleu. In beiden geht es darum, dass Frauen, die da waren, gelebt, gewirkt und Großes getan haben, aus den Erzählungen verschwunden sind – und jetzt endlich wieder gehört werden.
Edith Löhle greift genau das für die Bibel auf. Lilith, Maria Magdalena, Ruth, Deborah, sogar Eva und Maria selbst – sie treten im Chatformat auf, treten aus dem Schatten, widersprechen den alten Bildern, fordern Raum und Respekt. Was auf den ersten Blick wie ein lockerer feministischer Roman wirkt, ist in Wirklichkeit eine klug recherchierte Auseinandersetzung mit einem patriarchalen System, das über Jahrtausende hinweg weibliche Stimmen unsichtbar gemacht oder entstellt hat. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, recherchiert, nachgeschlagen – und festgestellt: Es stimmt. Alles, was ich überprüft habe, war fundiert, historisch verankert und sorgfältig hergeleitet. Man merkt, dass Edith Löhle Journalistin ist – eine, die sorgfältig arbeitet und sich nicht mit einfachen Botschaften zufrieden gibt.
Die größte Stärke dieses Buches liegt für mich darin, dass es die verdrängten und vergessenen Frauen der Bibel hervorholt, ihnen eine Stimme, eine Perspektive, eine Würde gibt. Es regt zum Nachdenken und Recherchieren an, es verbindet feministische Themen mit spirituellen Fragen, mit Körperlichkeit, Religion, Geschichte und gesellschaftlicher Macht. Und es macht das alles auf eine zugängliche Weise – manchmal vielleicht zu zugänglich. Denn ja, ich muss auch sagen: Die Sprache ist sehr jugendlich, sehr Gen Z, durchzogen von Social Media-Sprache und gelegentlich fast esoterischen Stellen, die mich als älteren Leser eher an einen Instagram-Frauenkreis als an literarische Tiefe erinnert haben. Das stört mich nicht grundsätzlich, aber es entspricht einfach nicht dem Sprachstil, den ich liebe. Trotzdem: Ich verurteile das nicht – es ist eine bewusste Entscheidung, um jüngere Leser*innen anzusprechen. Und der Inhalt trägt das Buch weit über seine sprachlichen Schwächen hinaus.
Für mich war Bible Bad Ass ein Erkenntnisbuch. Eines, das nicht nur feministische Wut aufnimmt, sondern auch spirituelle Kraft sichtbar macht. Ein Buch, das mich gelehrt hat, Geschichten zu hinterfragen – nicht, weil ich nicht glauben will, sondern weil ich verstehen möchte, wer sie erzählt hat, warum – und was verschwiegen wurde.
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