Ich habe Yellowface für unseren Buchclub gelesen und leider war es für mich eine echte Enttäuschung.
Achtung enthält indirekte Spoiler
Die Geschichte, die eigentlich spannend und gesellschaftskritisch sein könnte und weshalb wir uns auch für dieses Buch entschieden zieht sich unglaublich in die Länge. Trotz der interessanten Grundidee (kulturelle Aneignung, Plagiarismus, wie weit geht man für eigenen Erfolg, Freundschaft, wie darf man über Verstorbene sprechen) blieb für mich am Ende viel Frust zurück.
Die Hauptprotagonistin ist durchwegs unsympathisch und verhält sich absolut nicht nachvollziehbar, jedoch bleiben alle anderen Personen ebenfalls oberflächlich und schlussendlich negativ in Erinnerung.
Als Hauptkritikpunkt fehlen mir ebenfalls die “heissen Debatten”, das gesamte Buch wird geprägt durch gegenseitiges Beschuldigen ohne auch nur eine ansatzweise versöhnliche Note. Jeder ist des eigenen grösstes Opfer und das Buch konnte meiner Meinung nicht wirklich helfen, neue Perspektiven zu erhalten.
Etwa nach der Hälfte habe ich das Buch weggelegt und nur noch als Hörbuch fertig gehört, um beim Buchclub mitreden zu können. Das Ende erinnert eher an eine gewollte aber nicht unbedingt gekonnte Fitzekwendung.
Ich hatte deutlich höhere Erwartungen an dieses preisgekrönte Buch und wurde wirklich enttäuscht. Für die Diskussion im Buchclub hatte es jedoch genau deshalb spannende Ansätze und es lässt sich sehr gut darüber diskutieren.
In dem Buch wird die verstorbene Athena zitiert damit, die Leser sollten für das Buch arbeiten “work for it”. Weiter sei es Aufgabe der Leser näher an das Buch zu kommen als das Buch zum Leser. “( I dont) See the need to move the text closer to the reader, when the reader has Google, and is perfectly capable of moving closer to the text”. So hat sich dieses Buch angefühlt, nach Arbeit, und ich persönlich kann damit in diesem Fall leider nichts anfangen.