Was mich gleich von Beginn an Saskia Lukas Roman «Lass uns noch bleiben» begeisterte, waren das ruhige Setting und die wenigen Figuren: Wir sind in Berlin und doch in einer eigenen Welt. In der Welt von Anna und ihrem kleinen Pflanzenladen. Sie erzählt nur selten von ihrer Kundschaft und stattdessen von ihren Pflanzen, der Ruhe und vom Malen. Zu ihren Routinen gehört, dass sie am Nachmittag Kaffee holt und einen davon dem Antiquar nebenan bringt. Leben in die Geschichte bringt Alex, der auf der Suche nach einer Wohnung Annas Oase betritt und bald bei ihr einzieht. Er betreibt die Mini-Bar, auch sie ein Wohlfühlort im Grossstadtrummel.
Die Geschichte von Anna beginnt im Winter. Im Verlauf der Monate erleben wir nicht nur die Jahreswechsel mit ihr, sondern begleiten sie durch ihren Liebeskummer. Anna, und mehr noch ihre Familiengeschichte, erschienen mir zunehmend vertraut und erinnerten mich an einen anderen Roman. Und tatsächlich kommen Annas Mutter und Grossmutter sowie das Haus in Kroatien bereits in «Tag für Tag» vor. Saksia Luka schreibt leicht melancholisch, aber vor allem tröstlich vom Leben, seinen Herausforderungen und den vielen Menschen, die es lebenswert machen.