Hier die Frau aus gutbürgerlicher Familie in der Hauptstadt Kameruns, dort die Frau aus einfachen Verhältnissen im ländlichen Schweiz: Vieles trennt die beiden Protagonistinnen in Melara Mvogdobos Grossmütter. Und doch offenbaren sich überraschende Parallelen in ihren Lebensgeschichten.
Beide Schicksale sind von patriarchalen Strukturen durchzogen, die von den grossen Lebensentscheidungen bis in die feinsten Nuancen ihrer intimsten Beziehungen hineinwirken. Doch beide Frauen lehnen sich gegen die ihnen zugedachten Rolle und deren Weitergabe an die nächste Generation auf. Din Leben lang, durch leise, beharrliche Akte des Widerstands, bis hin zu einer letzten, radikalen Entscheidung - die schlussendlich doch nicht die erwartete Freiheit bringt.
Mit klarer, zugleich bildhafter Sprache gelingt es Mvogdobo, auf wenigen Seiten grosse Themen zu berühren: Geschlecht, Freiheit, Würde, Unterschiede zwischen den Generationen. Dabei verzichtet sie auf moralische Urteile und überlässt die Deutung ihren Leser*innen.