Mir gefällt die eindringliche, düstere und atmosphärisch dichte Erzählweise der Autorin wahnsinnig gut. An die langen, verschachtelten Sätze in indirekter Rede hatte ich mich schnell gewöhnt. Die Wechsel der Erzählebenen sowie die verwebten Geschichten und Erinnerungen bringen von Beginn weg Dynamik und Spannung hinein, entwickeln einen Sog. Wie Elmiger diese Vielzahl an Stimmen und Erzählsträngen meisterhaft auf nur 159 Seiten miteinander verwebt, ist wirklich beeindruckend.
Ebenso beeindruckend ist, wie die Autorin mit Sprache umzugehen vermag: «Noch immer habe es wie irr geregnet, sagt sie, durch hundert, durch tausend Vorhänge aus Regen seien sie gegangen, ja, alles sei Wasser gewesen, und auch sie selbst habe sich in einem gewissen Sinne aufzulösen begonnen (…)» (Seite 129). Und auch wenn sie auf Seite 140 schreibt: «(…) aber der Horror, der Horror liege naturgemäss ausserhalb der Sprache, ja, er sei, wenn man so wolle, ihr Gegenteil, ihr Ende (…)», verpasste sie mir mit ihren eindringlichen Worten regelmässig eine Gänsehaut.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Sprache, Struktur und Atmosphäre sind faszinierend, dicht und zugleich fordernd. Viele literarische Anspielungen konnte ich nicht einordnen, da ich nur gelegentlich literarische Texte lese. Einige Passagen werde ich sicher noch nachrecherchieren, um die Bezüge besser zu verstehen.
Trotz – oder vielleicht gerade wegen – dieser Herausforderung fand ich Die Holländerinnen absolut lesenswert. Ein Buch, das nachhallt und das man vielleicht mehrmals lesen muss, um seine Tiefe ganz zu erfassen. Manche Stellen werden wohl rätselhaft bleiben – genauso wie das tatsächliche Verschwinden der beiden Holländerinnen in Panama 2014.