In dieser Anthologie des Fight Club-Autors Chuck Palahniuk kündigen sich unvergessliche Geschichten an.
Zombie
Gleich die Erzählung «Zombie» setzt einen verstörenden Massstab: Jugendliche nutzen Defibrillatoren, um sich in Eigenregie einer Lobotomie zu unterziehen. Besonders perfide ist hierbei die Umkehrung der Erwartung – es sind nicht die Aussenseiter, sondern die Privilegierten und Intelligenten, die diesen Zustand anstreben. Palahniuk seziert hier den radikalen Wunsch, dem «amerikanischen Albtraum» und dem Leistungsdruck des Erwachsenwerdens durch totale Regression zu entkommen.
Das Ziel ist die ewige Kindheit, erkauft durch die Auslöschung des Selbst. Zurück bleibt nach der Lektüre ein Nachgeschmack von existentieller Ratlosigkeit – ein typischer Palahniuk-Effekt, der den Leser zwingt, die eigene Definition von Freiheit zu hinterfragen.
Romanze
Palahniuk skizziert ein ungleiches Paar: Sie eine ästhetische Erscheinung, er ein unscheinbarer, korpulenter Mann. Die Annäherung auf dem Weg zu einem Festival ist geprägt von hitzigem Flirt und anarchischem Schabernack. Doch die Leichtigkeit schlägt um, als die Geschichte die klinische Realität erreicht.
Nach einigen Monaten führt der Weg des schwangeren Paares zu einer Abtreibungsklinik – und damit direkt in das Spiessrutenlaufen vor einer Horde fanatischer Abtreibungsgegner. Die Szenerie eskaliert, als die Demonstranten zur Abschreckung einen Behälter mit blutbeschmierten (Ketchup!) Puppengliedern präsentieren.
Der Clou: Die Protagonistin reagiert nicht mit Scham oder Angst. Sie greift kurzerhand in den Eimer, fischt ein Teil heraus und leckt es genussvoll ab. Es ist ein Moment purer, transgressiver Befreiung. Palahniuk gelingt es hier meisterhaft, die Waffen der Provokation zu entwenden und gegen die Provokateure selbst zu richten. Ein herrlich grotesker Sieg der Absurdität über den moralischen Zeigefinger.