Drittes September Buch in der Challenge gelesen:
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.
Thomas Hettche hat seinen neuen Roman «Liebe» genannt. An Liebesromanen besteht ja nun wahrlich kein Mangel, aber selten wird in diesen Romanen die Frage gestellt, was Liebe eigentlich ist. Hettche eröffnet seinen Roman mit diesem ersten Satz: Liebe ist eines jener seltenen Wörter, die uns auffordern zu tun, was sie bezeichnen. Hettches Liebende schreiben sich über die Jahre viele Mails und sie wissen, dass es die Sprache ist, die alles Trennende, den Raum und die Zeit überwindet.
Max ist zu Beginn der Geschichte 63 Jahre alt, am Ende, von dem aus erzählt wird 73. Da hat Anna, seine grosse Liebe, gerade das Haus Richtung Krankenhaus verlassen. Woran sie leidet hat sie ihm nicht gesagt, doch aus der Sorge und dem Schmerz der Trennung heraus erinnert sich Max an die letzten 10 Jahre seit der ersten Begegnung. Schon beim ersten Treffen war Max klar, dass Anna die Frau seines Lebens ist. Allerdings ist Anna verheiratet und bringt das mit «ich weiss, wo ich hingehöre» zum Ausdruck. Sie entscheidet sich anfänglich, bei ihrem Mann zu bleiben, auch wenn sie ihn nicht liebt, weil es so einfacher ist, und sie ihr ganzes Leben nicht in Frage stellen muss. Zur Liebe gehört aber auch, dass sie stärker ist als rational Überlegungen. Somit nimmt auch diese Liebe ihr Recht.
Hettche schafft es von der Liebe so zu erzählen, dass es weder kitschig noch trivial ist. Er erzählt davon eindringlich, zeitweise radikal und vor allem hautnah. Warum liebt man denn? Weil man liebt. Braucht man einen besseren Grund?